Eine Person hält ein Präventionskonzept-Heft der Salesianer Don Boscos zum Kinder-, Jugend- und Mitarbeiterschutz.

Prävention und Kinderschutz bei Don Bosco

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Sicherheit. Auf Respekt. Auf eine Zukunft ohne Gewalt. Dafür setzen wir uns ein – jeden Tag, weltweit.

Schutz ist kein Versprechen – es ist unser Auftrag

Johannes Bosco verstand sich als Anwalt junger Menschen. Seine „Pädagogik der Vorsorge“ stellte das ganzheitliche Wohl von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt – geprägt von Respekt, Vertrauen und einer klaren Absage an Gewalt. 

Diese Haltung trägt uns bis heute: 

  • Wir stärken Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstbestimmung.
  • Wir fördern ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ermöglichen Beteiligung. 
  • Wir schaffen sichere Räume, in denen Vertrauen wachsen kann.

Prävention und Partizipation sind für uns aktiver Schutz und untrennbar miteinander verbunden. Sie schaffen die Grundlage für eine Kultur, in der Kinder und Jugendliche geschützt sind – weil sie gesehen, gehört und ernst genommen werden. 

Unsere pädagogische Arbeit folgt dabei einem klaren Ziel: eine Kultur des achtsamen Miteinanders, in der Gewalt keinen Raum hat. Mit klaren Schutzkonzepten, verbindlichen Standards und echter Beteiligung sorgen wir dafür, dass aus Verantwortung konkrete Sicherheit wird.

Präventionsarbeit in Deutschland

Prävention in der weltweiten Projektarbeit

Verantwortung übernehmen Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch

Es ist eine schmerzliche Realität, dass es auch in Einrichtungen Don Boscos in Deutschland in der Vergangenheit zu physischer, psychischer und sexueller Gewalt und Missbrauch gekommen ist. Dass junge Menschen in unseren Einrichtungen Leid erfahren haben, erschüttert uns zutiefst. Die Täter haben ihre Machtposition missbraucht und die besondere Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt. Gerade deshalb stellen wir uns unserer Verantwortung: Wir arbeiten die Vergangenheit auf, hören Betroffenen zu und entwickeln unsere Schutzmaßnahmen konsequent weiter. 

Aufarbeitung

Unabhängige Aufarbeitungsstudie Onlineplattform für Betroffene und Zeitzeugen

Wir haben eine unabhängige wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, um sexuellen Missbrauch und andere Formen von Gewalt an Minderjährigen in unseren Einrichtungen umfassend aufzuarbeiten. Forschende aus Jena und München untersuchen die Zeit von 1945 bis heute. Betroffene und Zeitzeugen können ihre Erfahrungen über eine Onlineplattform – auch anonym – einbringen. Ihre Perspektiven sind ein zentraler Bestandteil der Studie. Die Ergebnisse helfen uns, strukturelle Defizite zu erkennen und unsere Schutz- und Präventionskonzepte weiterzuentwickeln.

Onlineplattform

Schutz heute Unsere Standards

Heute gilt für uns klar: Kinder und Jugendliche müssen in unseren Einrichtungen sicher sein. Deshalb entwickeln und leben wir umfassende Schutzkonzepte nach aktuellen wissenschaftlichen Standards – in enger Zusammenarbeit mit externen Fachstellen.

Unsere Grundprinzipien:

Null-Toleranz gegenüber Gewalt
Verbindliche Schutzkonzepte
Vater und zwei Jungen blicken nach oben, zeigen und schützen die Augen in einem sonnigen Wald.
Regelmäßige Schulungen
Externe Beratung
Klare Meldewege

Wie wir Prävention konkret umsetzen Mit diesen Maßnahmen schützen wir Kinder und Jugendliche

Verbindliche Richtlinien

  • Umsetzung der Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz (seit 2003, aktuell gültig)
  • Einführung der Richtlinien zum präventiven Kinder-, Jugend- und Mitarbeitendenschutz (2010, umfassend aktualisiert 2021)
  • Entwicklung und Fortschreibung einrichtungsspezifischer Schutzkonzepte
  • Einführung der „Leitlinien sexueller Bildung“ (2023) zur Stärkung der sexualpädagogischen Kompetenz

Klare Strukturen & Verfahren

  • Benennung von mindestens zwei Schutzbeauftragten unterschiedlichen Geschlechts in jeder Einrichtung
  • Bestellung von Missbrauchs- und Präventionsbeauftragten auf Provinzebene
  • Einrichtung eines unabhängigen Beraterstabs zur Bearbeitung von Verdachtsfällen
  • Klare Verfahren zur Bearbeitung von Hinweisen und Verdachtsfällen

Transparenz & externe Kontrolle

  • Enge Kooperation mit staatlichen und kirchlichen Stellen
  • Weiterleitung strafrechtlich relevanter Vorfälle an die zuständigen Behörden
  • Vernetzung mit Fachstellen und Organisationen im Bereich Gewaltprävention
  • Orientierung an externen fachlichen und wissenschaftlichen Standards

Qualifizierung & Sicherheit

  • Verpflichtendes erweitertes polizeiliches Führungszeugnis für alle Mitarbeitenden
  • Verankerung des Themas Kindesschutz in Ausbildung und Einarbeitung (seit 2011)
  • Fort- und Weiterbildung für Mitarbeitende und Ordensmitglieder
  • Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen 
  • Fachliche Begleitung und Beratung der Schutzbeauftragten
  • Sicherstellung eines geschützten Umgangs mit sensiblen Personaldaten

Partizipation & Beschwerdekultur

  • Aktive Förderung der Beteiligung junger Menschen an Entscheidungsprozessen
  • Verlässliche Beschwerdemöglichkeiten als Bestandteil des Schutzsystems
  • Partizipation im Alltag (z. B. Gruppengespräche, Bezugsbetreuung, Gremien)
  • Entwicklung eines verbindlichen Partizipationskonzepts (in Arbeit)
  • Stärkung einer Kultur des Hinschauens, Handelns und achtsamen Miteinanders

Sexuelle Bildung und Sprachfähigkeit

  • Entwicklung spezifischer sexualpädagogischer Konzepte in verschiedenen Einrichtungen
  • Durchführung lebensweltorientierter, zielgruppen- und altersgerechter sexualpädagogischer Angebote
  • Interne sowie externe Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitenden

Präventionsarbeit in der Praxis Beispielprojekte

Lächelnder Mann in einer Werkstatt hält ein rundes Schild mit den Buchstaben R (rot), A (blau), D (gelb), die 'RAD' bilden.

Respekt muss man üben Das RAD-Konzept als Kompass im Alltag

Im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz prägt das RAD-Konzept den Alltag: Respekt, Aufmerksamkeit und Disziplin sind die Grundpfeiler für ein gewaltfreies Miteinander. In Werkstätten und Gruppenräumen begegnen die Jugendlichen diesen Werten ständig – und lernen, sie aktiv umzusetzen. Respekt bedeutet, sich selbst und andere ernst zu nehmen. Aufmerksamkeit hilft, Ziele zu setzen und Konflikte früh zu erkennen. Disziplin schließlich sorgt dafür, dranzubleiben. 

Formate wie der „Boxenstopp“ fördern Austausch, Reflexion und Teamarbeit. Besonders wirkungsvoll: Die Jugendlichen greifen selbst ein, wenn Grenzen überschritten werden. So wird Prävention zur gemeinsamen Aufgabe und stärkt nachhaltig das soziale Miteinander.

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Ein blauer runder Teppich mit schwarzer Laterne, rot-weißer Kette in der Mitte, umgeben von Sitzkissen, eine Person sitzt links.

Wir schützen uns gegenseitig Prävention durch Vertrauen und klare Strukturen

In der sozialpädagogischen Wohngruppe Amanda in Stams beginnt jeder Tag mit einem Ritual der Gemeinschaft: Die Mädchen sitzen im Kreis, verbunden durch eine Kette aus Karabinerhaken – ein Symbol für Zusammenhalt. Viele von ihnen haben Gewalt erlebt, doch genau hier setzt die Präventionsarbeit an. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus reflektiertem Verhalten der Mitarbeitenden und stabilen Beziehungen. 

Offene Gespräche über Gewalt gehören zum Alltag, ebenso wie individuelle Notfallpläne, die Sicherheit und Handlungsmöglichkeiten geben. Schritt für Schritt lernen die Jugendlichen, ihre Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und sich gegenseitig zu stärken. So entsteht ein geschützter Raum, in dem Vertrauen wachsen kann.

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Hände halten Papierstreifen mit der Anweisung: "Nimm ein Gegenüber an die Hand und unterhalte dich während ihr spaziert".

Nähe und Distanz bewusst gestalten Vorbereitung auf den Freiwilligendienst

Bevor junge Menschen als Don Bosco Volunteers weltweit tätig werden, setzen sie sich intensiv mit Nähe und Distanz auseinander. In interaktiven Übungen im Rahmen der Vorbereitungsseminare erleben sie, wie unterschiedlich Verhalten wirken kann – vom aufdringlichen Kontakt bis zur kompletten Abwehr. Schnell wird klar: Professionelle Beziehungen brauchen Balance. 

Neben pädagogischen Herausforderungen spielen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle. Die Teilnehmenden reflektieren ihre Rollen zwischen Bezugsperson, Freund und Autorität. Ziel ist es, verantwortungsvoll zu handeln – im Spannungsfeld zwischen Mitgefühl und Professionalität.

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Roter Kasten mit Aufschrift 'Anregungen & Sorgen' und Schlüsselloch.

Prävention als gelebter Alltag Wie ein ganzes Haus Verantwortung übernimmt

Im Berliner Jugendhilfezentrum Manege ist Prävention kein Zusatzangebot, sondern gelebter Alltag. Sozialarbeiterin Vera weiß: Nur wer präsent ist, wird auch angesprochen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen bietet sie niedrigschwellige Anlaufstellen – persönlich oder anonym über einen Briefkasten. 

Doch entscheidend ist: Prävention liegt in der Verantwortung aller Mitarbeitenden. Konflikte werden früh erkannt und meist direkt in Gruppen gelöst. Die Fachkräfte greifen nur ein, wenn es nötig ist. Dabei geht es oft um zwischenmenschliche Spannungen oder Mobbing. Die Jugendlichen bringen belastende Erfahrungen mit – umso wichtiger ist ein Umfeld, das aufmerksam bleibt und Eskalationen vorbeugt.

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Prävention und Kinderschutz in der weltweiten Projektarbeit

Unser Engagement endet nicht an nationalen Grenzen. Gemeinsam mit unserer Missionsprokur Don Bosco Mission Bonn und unserem Partner, dem Verein Don Bosco Mondo e.V. in Bonn, setzen wir uns weltweit für junge Menschen ein, die besonders gefährdet sind. Viele Kinder und Jugendliche sind traumatisiert und wachsen unter Bedingungen auf, die von Armut, Gewalt oder fehlendem Zugang zu Bildung geprägt sind. Sie leben auf der Straße oder sind schutzlos Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt.

Don Bosco Bonn geht das Thema Kinder- und Jugendschutz weltweit aktiv an: In der Projektarbeit, in der Vorbereitung neuer Don Bosco Volunteers und im Zuge unserer Arbeit im Kinderschutzbündnis Ecpat. Für die Projektarbeit im Ausland wurden eigene Kinderschutzstandards entwickelt. 

Logo der Don Bosco Mission Bonn: Rote, stilisierte Figuren von drei Personen (ein Erwachsener und zwei Kinder), darunter der Name.

Richtlinie zum Kinder- und Jugendschutz weltweit

Unsere Richtlinie zum Kinder- und Jugendschutz wird von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Projektpartnern unterzeichnet. Zu den präventiven Maßnahmen zählen: Standards der Personalpolitik, ein Verhaltenskodex für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Volontäre, Gremienmitglieder und Honorarkräfte.

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ECPAT-Logo mit stilisierter grüner Kinderfigur, die eine Blume hält, und dem Schriftzug 'ecpat' darunter.

ECPAT Deutschland e. V.

ECPAT Deutschland ist eine Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung. Das Netzwerk berät seine Mitglieder bei der Implementierung einer wirksamen Kindesschutzpolicy. Die Präventionsbeauftragte für Kindes- und Jugendschutz von Don Bosco Bonn, Melanie Mörmel, vertritt uns dort.

Zur Website

Haben Sie Fragen? Ich helfe Ihnen gerne weiter.

Eine junge Frau mit schulterlangem blondem Haar und Brille lächelt strahlend in die Kamera, trägt einen rostroten Cardigan.
Anna Fellner Beauftragte für Prävention und sexuelle Bildung in der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos