Offenen Umgang mit Sexualität lernen

Junge Menschen brauchen eine kompetente und zugleich sensible jugendpastorale und pädagogische Begleitung – auch bei der Suche nach ihrer geschlechtlichen Identität. Die  „Leitlinien sexueller Bildung“ der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, die im Jahr 2023 neu erarbeitet wurden, sollen die salesianischen Einrichtungen bei der Entwicklung sexualpädagogischer Konzepte unterstützen und so eine Kultur des Offen-Reden-Könnens etablieren. 

„Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen nicht allein gelassen werden mit all ihren Fragen und Anliegen zu Beziehungsformen und deren Gestaltung, zu konkretem Sexualverhalten und sexueller Orientierung“, so Provinzialvikar Pater Christian Vahlhaus. „Die jungen Menschen in unseren Einrichtungen sollen ermutigt werden, über sexuelle Dinge zu sprechen und Worte zu finden für das, was sie beschäftigt.“

Sexuelle Bildung ist Teil der Pädagogik

Erarbeitet wurden die Leitlinien von einer Arbeitsgruppe aus Mitarbeitenden, Ordensangehörigen und jungen Menschen aus den Einrichtungen. „Wir wollten einen Orientierungsrahmen für die Einrichtungen schaffen, damit sie wissen, wie sie sexuelle Bildung im Kontext salesianischer Pädagogik verstehen können“, erklärt Achim Jägers, Präventionsbeauftragter und Sexualpädagoge der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos. Denn dass die sexuelle Bildung ganz selbstverständlich zur salesianisch-christlichen Pädagogik mit dazugehöre, stehe für ihn außer Frage. „Die Leitbilder sexueller Bildung sind Respekt, Gleichberechtigung, Toleranz und Fürsorglichkeit in der Beziehung. Das ist salesianisch.“

Wertschätzung und Offenheit

Als katholischem Träger geht es den Salesianern Don Boscos dabei um eine in der christlichen Tradition und Sexualethik verwurzelten sexuellen Bildung, die dem Ansatz der Beziehungsethik folgt. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass alle Beziehungsformen, in denen Werte wie Liebe, Freundschaft, Treue und Solidarität gelebt werden, in moralischer Hinsicht Anerkennung und Respekt verdienen – unabhängig von der sexuellen Orientierung der Paare. 

Mit den neuen Leitlinien motivieren die Salesianer Don Boscos, in ihren Einrichtungen bewusst und wertschätzend mit dem Thema Sexualität umzugehen – mit dem Ziel, die jungen Menschen in der Selbstbestimmung und Verantwortung der eigenen Sexualität zu stärken, was zugleich als Prävention gegenüber sexualisierter Gewalt dient. Damit dies gelingt, wird über die Leitlinien hinaus jährlich mindestens eine Fortbildung zum Themenbereich sexueller Bildung angeboten.

„Wir wollen beide Seiten in den Blick nehmen“, führt Pater Christian Vahlhaus aus. „Zum einen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Sicherheit brauchen in dem, was sie sagen und wie sie handeln können, was zu ermöglichen ist und wo Grenzen zu setzen sind. Zum anderen die Jugendlichen, die sich in einer stark sexualisierten Gesellschaft zurechtfinden müssen. Wir haben es in unseren Einrichtungen oft mit sehr vulnerablen jungen Menschen zu tun, die in der Entwicklung ihrer geschlechtlichen Identität besonderer Unterstützung und Ansprache bedürfen.“

Die Leitlinien sexueller Bildung gelten für drei Jahre, in denen sie erprobt und reflektiert werden – dem Leitwort der Salesianer Don Boscos folgend: „Damit das Leben junger Menschen gelingt“.