Rudolf Lunkenbein & Simão Bororo

Pater Rudolf Lunkenbein setzte sich im brasilianischen Amazonasgebiet gemeinsam mit dem Indigenen Simão für die Rechte des Bororo-Volkes ein. Sie kämpften für den Erhalt von Land und Kultur – und gegen Ausgrenzung und die Zerstörung von wichtigen Lebensgrundlagen. Ihr Einsatz führte dazu, dass beide am 15. Juli 1976 ermordet wurden. Ihr Zeugnis steht bis heute für Mut, Hoffnung und Hingabe.

Ich bin zum Dienen gekommen und dafür zu sterben.

Halbporträt eines lächelnden jungen Priesters mit dunklem Haar und Kollar in Sepia-Tönen.
Pater Rudolf Lunkenbein
Primizspruch (Mt 20,28)

Einsatz für Gerechtigkeit Rudolf Lunkenbein & Simão Bororo

Schüsse fallen vor einer Missionsstation im brasilianischen Hinterland. Wenig später sind zwei Männer tot: der deutsche Missionar, Salesianerpater Rudolf Lunkenbein, und der Indigene Simão Bororo. Es ist der 15. Juli 1976 – ein Tag, der das Dorf Meruri bis heute prägt.

Beide hatten sich gemeinsam gegen Landraub, Vertreibung und Gewalt gestellt und für die Rechte des indigenen Volkes der Bororo eingesetzt, dessen Lebensraum zunehmend von Großgrundbesitzern bedroht war. Ihr Tod markiert den Höhepunkt eines eskalierenden Konflikts – und steht bis heute für den Einsatz für Gerechtigkeit, der Konsequenzen fordert.

Diese Seite befindet sich im Aufbau. Sie erzählt die Geschichte Lunkenbeins und Simão Bororos, beleuchtet Hintergründe und fragt, was ihr gemeinsames Zeugnis für unsere Gegenwart bedeutet.

Das Leben Rudolf Lunkenbeins Einsatz für die Bororo und Martyrium in Brasilien

Rudolf Lunkenbein wurde 1939 bei Bamberg geboren und wollte schon früh Missionar werden. Über das Gymnasium der Salesianer fand er zur Ordensgemeinschaft und reiste 1958 nach Brasilien, wo er eintrat, Portugiesisch lernte, das Gymnasium abschloss und Philosophie studierte. 

Für sein Theologiestudium kehrte er 1965 nach Deutschland an die Ordenshochschule in Benediktbeuern zurück. Dort wurde er 1969 durch den Augsburger Weihbischof Josef Zimmermann zum Priester geweiht. 

Danach ging er erneut nach Brasilien in die Missionsstation Meruri und setzte sich für die indigenen Bororo ein. Er lernte ihre Sprache, unterstützte sie im Kampf um ihr Land und wurde 1973 in ihren Stamm aufgenommen. Gemeinsam mit seinem Freund Simão Bororo geriet er in Konflikt mit Großgrundbesitzern. 

Am 15. Juli 1976 wurden beide erschossen.

Halbporträt eines lächelnden jungen Priesters mit dunklem Haar und Kollar in Sepia-Tönen.

Seligsprechungsverfahren

Pater Rudolf Lunkenbein ist zu einem Märtyrer und Glaubenszeugen geworden, der die Welt der indigenen Bevölkerung im Herzen Brasiliens nachhaltig bewegt und verändert hat. Das Seligsprechungsverfahren für ihn und seinen Freund, den Indigenen Simão Bororo, läuft. Die wichtigsten Etappen im Überblick.

Was ist eine Seligsprechung? Kirchliches Verfahren zur Anerkennung eines Glaubensvorbildes

Eine Seligsprechung ist ein offizielles Verfahren der katholischen Kirche, mit dem geprüft wird, ob ein Mensch ein besonders vorbildliches Leben im Glauben geführt hat oder als Märtyrer gestorben ist. Dabei werden Zeugnisse, Dokumente und historische Quellen sorgfältig untersucht. Ziel ist es festzustellen, ob diese Person als Vorbild für andere Gläubige verehrt werden kann. Wird dies anerkannt, darf sie regional öffentlich verehrt werden und trägt den Titel „selig“.

1. Erste Initiative und Vorbereitung (2016) Begegnung vor Ort und Beginn der Dokumentensammlung

Im Frühjahr 2016 besuchte der salesianische Ordenspriester Pierluigi Cameroni die Bororos in Meruri. Als salesianischer Postulator – also Verantwortlicher für die Vorbereitung eines Seligsprechungsverfahrens – war er dafür zuständig, Belege und Zeugnisse zu sammeln. Tief bewegt von seinen Eindrücken half er, die notwendigen Unterlagen über das Leben und Sterben von Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo zusammenzustellen.

2. Offizieller Start des Verfahrens (2018) Annahme des Gesuchs und Eröffnung des Prozesses

Der Bischof von Barra do Garças, Protógenes José Luft, nahm 2018 das formale Gesuch an. Eine Seligsprechung ist ein Verfahren der katholischen Kirche, das prüft, ob ein Mensch als Glaubensvorbild verehrt werden kann. Am 31. Januar 2018 wurde der diözesane Prozess in Meruri offiziell eröffnet.

3. Untersuchung auf diözesaner Ebene (2018–2020) Sammlung von Zeugnissen und Abschluss der ersten Phase

In den folgenden zwei Jahren untersuchte eine kirchliche Kommission das Leben, Wirken und Sterben der beiden Männer. Zeugenaussagen und Dokumente wurden sorgfältig geprüft. Am 31. Januar 2020 – dem Gedenktag Johannes Boscos – wurde diese Phase feierlich abgeschlossen.

4. Auswertung im Vatikan (2024) Erstellung und Einreichung der „Positio“

Die gesammelten Ergebnisse wurden in Rom zur sogenannten „Positio super martyrio“ ausgearbeitet. Diese umfangreiche Dokumentation fasst alle Belege für Leben, Glauben und mögliches Martyrium zusammen. Am 28. November 2024 wurde sie beim zuständigen Dikasterium im Vatikan eingereicht.

5. Theologische Prüfung und Entscheidung (ab 2025) Bewertung des Martyriums und nächste Schritte

In einem nächsten Schritt stimmten am 20. November 2025 die theologischen Berater des Dikasteriums mehrheitlich dieser Positio zu. Damit bestätigten sie, dass es gute Gründe gibt, das Sterben von Lunkenbein und Bororo als Martyrium anzusehen. Auf dieser Grundlage befassen sich nun Kardinäle und Bischöfe des Dikasteriums mit dem Fall. Wenn auch sie zustimmen und der Papst dies anerkennt, kann der nächste entscheidende Schritt folgen: die offizielle Seligsprechung.

Weiterführende Materialien und Publikationen