Bruder Marko Krstanović Ein außergewöhnlicher Weg zwischen Spitzensport, Glauben und Berufung

Ein lächelnder junger Mann in einem schwarzen Kapuzenpullover mit gelbem Motiv hält einen Basketball in einem hellen Flur.
Sechs lächelnde junge Männer, einer hält einen Basketball, stehen draußen vor einem Gebäude mit Basketballkorb.

Marko Krstanovic stand kurz vor einer großen Karriere im Profibasketball, als er sich für einen radikalen Lebenswechsel entschied. Statt sportlichem Erfolg wählte er den Weg in den Salesianerorden. In diesem Erfahrungsbericht erzählt er von seiner persönlichen Krise, seiner Glaubensentwicklung und der Entscheidung, sein Leben ganz in den Dienst Gottes und junger Menschen zu stellen.

Kindheit, Basketball und der Traum vom Profisport

Schon früh hat Marko Krstanovic ein festes Ziel vor Augen: Profibasketballer werden. Jahrelang arbeitet er darauf hin. Mit 23 hat er es geschafft, spielt erfolgreich in der ersten Bundesliga. Doch seine Eröffnungssaison wird zugleich seine letzte. Denn der Berliner entscheidet sich für ein anderes Leben.

Als Kind ist Marko fast immer mit einem Ball in der Hand zu sehen. Schon in der zweiten Klasse tobt der Berliner mit den kroatischen Wurzeln am liebsten über den Basketballcourt. Er ist so erfolgreich, dass er an der Sporteliteschule angenommen wird. Seine Jugend ist geprägt von Unterricht und Training. Mit 18 zieht er nach Ulm und tritt seine erste Stelle in einer Profimannschaft an. Vier Jahre später ist Marko in der ersten Bundesliga angekommen. Die Türen für eine erfolgreiche Basketballkarriere stehen weit offen.

Der überraschende Wendepunkt im Leben

Eine gute erste Saison liegt hinter dem 23-Jährigen, als er im Mai 2021 seine Eltern und seine Geschwister in Berlin zusammenruft. Er hat ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen. Seine Mutter Anica erinnert sich noch gut an den Moment: „Marko sagte uns, er habe für den besten aller Vereine unterschrieben: Für Jesus! Dass er seine Profikarriere beenden und in den Orden gehen will.“ Die Familie ist gläubig, doch das kommt überraschend.

Für Marko selbst ist dieser Schritt das Ergebnis einer langen Entscheidungsfindung. Sie beginnt mit einer persönlichen Krise im Jahr 2016. Damals erlebt der 18-Jährige eine herbe Enttäuschung in seinem damaligen Verein. „Ich hatte bis dahin alles aus eigener Kraft erreicht. Nun gab es zum ersten Mal eine Situation, die ich nicht in der Hand hatte, weil andere über mich bestimmten.“ In dieser Zeit geht auch die Fernbeziehung zu seiner Freundin in Kroatien in die Brüche.

Krise, Begegnung und neue Glaubenserfahrung

Marko reist nach Berlin zu seiner Familie, um sich zu erholen. Ganz unerwartet trifft er dort auf Menschen, die seinen persönlichen Kurs nachhaltig ändern sollen. „Wir hatten zu dieser Zeit Jugendliche aus Kroatien zu Besuch in der kroatischen Gemeinde. Als ich sie kennenlernte, spürte ich sofort eine tiefe Verbindung.“ Der Berliner hatte sich immer Freunde gewünscht, mit denen er seinen Glauben teilen konnte und findet in der Gruppe aus der Heimat seines Vaters genau das.

Marko erlebt diese besondere Begegnung als Geschenk Gottes. Der 18-Jährige genießt die Gemeinschaft, beginnt intensiver zu beten und sich stärker mit seiner Religion auseinanderzusetzen. Es tut ihm gut. Verändert auch seine Haltung auf dem Basketballcourt. Dort ist er immer noch zu Hause. Gibt weiterhin alles bei seinem Verein in Ulm. Gleichzeitig wächst in ihm immer deutlicher das Gefühl, dass Gott ihn ruft.

Berufung wächst: Begegnung mit den Salesianern

„Er hatte mir in der Krise Menschen geschickt, die mir seine bedingungslose Liebe zeigten. Das hat mich nicht losgelassen. Immer öfter dachte ich: Vielleicht ist es meine Berufung, ihm nachzufolgen, die 100 Prozent, die ich im Sport gebe, in seinen Dienst zu stellen und für die Gemeinschaft dazu zu sein.“ In dieser Phase besucht Marko ein Camp der Salesianer Don Boscos in Kroatien. Gleich zu Beginn begegnet er einem jungen Profibasketballer, der in der ersten kroatischen Liga spielt.

Schnell werden sie zu Gefährten und bleiben auch nach dem Camp täglich in Kontakt. „Domagoj und ich hatten die gleichen Themen, konnten so viel miteinander teilen“, sagt Marko. Sie sprechen über den Sport, über Gott und auch über eine mögliche Ordensberufung. „Ich hatte die Idee schon zwei Jahre im Kopf, ohne sie zu konkretisieren.“ Nun entschließen sich beide, einen Schritt weiterzugehen und Kontakt zu den Salesianern zu suchen.

Entscheidung für den Orden statt Profikarriere

Es ist vor allem das Engagement des Ordens für benachteiligte junge Menschen, das sie anspricht. „Wir hatten über den Sport viele Jugendliche kennengelernt, denen es nicht gut ging und den dringenden Wunsch, ihnen zu helfen“, erklärt Marko. Seine ersten Gespräche mit Salesianern bestärken ihn. Zugleich bestimmt immer noch der Basketball sein Leben. „Wie Domagoj habe ich im Sport weiterhin alles gegeben und meine Ziele verfolgt.“ Bis hin zur ersten Bundesliga. Ein Wahnsinnserfolg! Dennoch fühlt Marko immer deutlicher, dass sein wahres Glück woanders liegt.

Am Ende der Saison ist für den Topspieler klar – er wird seiner Berufung in den Orden folgen. Auch Domagoj kommt unabhängig von ihm zu diesem Entschluss. Markos Mutter Anica braucht einige Zeit, um die Neuigkeit zu verdauen. „Er hatte sein Leben lang darauf hingearbeitet, Profisportler zu werden. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er das aufgibt.“ Gleichzeitig stimmt sie mit Markos Vater überein, als dieser ihm sagt: „Gott braucht solche Männer wie dich!“

Der Weg ins Ordensleben und die ersten Schritte

„Marko hat ein gutes Herz, war immer schon hilfsbereit. Er steht für andere ein und folgt seinen Überzeugungen.“ Schon als Kind stellt er sich mutig vor einen schwerkranken Mitschüler, als dieser gemobbt und von seiner Lehrerin abgekanzelt wird. „Es hat viele Momente gegeben, die im Nachhinein zeigen, dass es neben dem Sport noch etwas anderes gab“, sagt seine Mutter und ist heute sicher: „Gott hat ihn gerufen und ich finde es unglaublich mutig, dass er „Ja“ gesagt hat.“

Marko folgt seinem neuen Weg erstaunlich leichtfüßig. Nach einigen Wochen Aspirantat, mit ersten Eindrücken des Ordenslebens, geht es für ein Jahr ins Vornoviziat nach Zagreb. Dort lebt er zusammen mit Domagoj und sieben weiteren Anwärtern nach dem salesianischen Rhythmus und erkennt wie viel Kraft in der Gemeinschaft steckt. „Wir kamen aus unterschiedlichen Verhältnissen und sind nach und nach zu Brüdern geworden.“

Noviziat, Profess und Leben als Salesianer

2022 tritt Marko ins Noviziat ein. Die Begleitung durch den Novizenmeister tut ihm gut. „Wir konnten unseren Weg ganz frei gehen. Unserem Maestro war wichtig, dass jeder seine wahre Berufung findet – ob im Orden oder nicht. Es ging nie darum, um jeden Preis neue Mitglieder zu gewinnen.“ Für Marko fühlt sich jeder Schritt richtig an. Anders als manche Mitnovizen spürt er eine große Sicherheit. „Meine größte Krise war, dass ich keine Krise hatte“, lacht er.

Am 8. September 2023 beendet der 26-Jährige sein Noviziat in Kroatien, gelobt bei der feierlichen Profess Armut, Gehorsam, Keuschheit. „An diesem Tag bin ich Salesianer geworden. Seitdem versuche ich täglich danach zu leben“, sagt Marko. Mittlerweile studiert er Philosophie in Rom, kümmert sich um Jugendliche, ist in der Gemeinde aktiv. Er hat das richtige Team gefunden. „Im Profisport wird man danach beurteilt, wie man von Nutzen sein kann. Bei den Salesianern erfahre ich eine Liebe, die nichts erwartet. Hier bist du wertvoll als Mensch, so wie du bist.“

Ein neues Leben mit anderen Prioritäten

Heute spielt Marko leidenschaftlich gerne Basketball mit Jugendlichen oder Fußball mit seinen Mitbrüdern. Um Leistung geht es dabei nicht mehr. „Wir spielen, um Freundschaften zu bilden und damit jeder einzelne daran wachsen kann.“ Wohin ihn sein Weg im Orden langfristig führt, weiß Marko noch nicht, nur dass er jetzt und gerade am richtigen Ort ist. „Für mich stand früher der Sport an erster Stelle und dann kam Gott. Jetzt kommt Gott zuerst und das ist eine dauerhafte tiefe Freude.“

Redaktion: Janina Mogendorf