Kinder einer Don Bosco Einrichtung in Santa Cruz, Bolivien.

Straßenmädchen in Bolivien Sara aus Santa Cruz

Viele Kinder kämpfen auf den Straßen von Santa Cruz täglich ums Überleben. Mädchen und junge Frauen sind besonders gefährdet - so wie Sara. Don Bosco hat sie von der Straße gerettet und ihr einen Neustart ins leben ermöglicht.

Saras Rettung von der Straße Was es bedeutet, als Mädchen auf der Straße zu leben

Eine junge Person mit langen dunklen Haaren und dunkler Haut blickt ernst in die Kamera, mit gesprenkeltem Sonnenlicht und Schatten im Gesicht.

Der Weg auf die Straße

Mit 14 Jahren ist Sara (Name geändert*) von zu Hause weggelaufen. Wie viele Straßenkinder in Bolivien ist sie vor den Zuständen dort geflohen. Sie konnte einfach nicht mehr bleiben.

Auf der Straße hat sie schnell angefangen, Kleber zu schnüffeln. Das machte sie jeden Tag. Eigentlich immer. Tag und Nacht. Aus Langeweile. Um den Dreck, den Hunger und die Armut zu verdrängen. So sah ihr Alltag auf der Straße aus. 

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Obdachlose schlafen auf Decken in einem schmutzigen, vermüllten Betontunnel, der Armut und Vernachlässigung zeigt.

Überleben auf der Straße

Sara lebte mit einer Gruppe zusammen. Sie waren drei Frauen und mehrere Männer. Zuerst wohnten sie in einem verlassenen Haus. Von dort wurden sie verscheucht. Danach schliefen sie auf Kartons, vor Geldautomaten oder auf der Straße.

Die Jugendlichen verbrachten die Tage damit, herumzuhängen und zu überleben. Sie haben sich gegenseitig geschützt. Für viele Straßenkinder in Bolivien ist das Alltag.

Drei Personen in einer Betonunterführung; eine liegt auf einem provisorischen Bett, eine kniet daneben, eine dritte steht.

Angst als täglicher Begleiter

Am meisten Angst hatte Sara, als ich einmal krank wurde. Als Straßenkind in Bolivien gibt es keinen sicheren Ort. man kann nirgendwo hingehen. Sara hatte Angst, so geschwächt draußen zu schlafen. Am Anfang war es schlimm. Doch sie gewöhnte sich daran. Das Leben auf der Straße verändert sie. Aber ohne Hilfe bleibt die Angst ein ständiger Begleiter. 

Vier Personen spielen ein Kartenspiel auf dem Boden vor einer bunten Graffitiwand mit einem indigenen Gesicht, Astronauten und Planeten.

Der Wunsch nach einem anderen Leben

Vier Jahre lang lebte Sara auf den Straßen von santa Cruz. Erst durch die Streetworker von Don Bosco hat sie ihr Leben verändert. Und durch ihre erste Schwangerschaft. Für ihr Kind hat Sara aufgehört, Drogen zu nehmen. Auch das KlebstoffschnüffSchritt gewöhnte sie sich Schritt für Schritt ab. Sara braucht es noch, um schlafen zu können. Mit der Zeit wurde auch das besser.

Sara wollte ein anderes Leben. Allein ist es fast unmöglich, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. Sara brauchte Unterstützung.

Unterstützung bei Don Bosco

Eine Frau und ein Junge tauschen lächelnd etwas Kleines in einer Türöffnung aus, im Hintergrund eine gelbe Wand mit Gitterfenster.

Abschied von der Straße

Der Umzug in das Straßenkinderzentrum war ein großer Schritt für Sara. Sie hat die Straße verlassen – und auch ihre Freunde. Sie waren keine schlechten Menschen. Aber das Leben auf der Straße und mit ihnen war voller Drogen und Gefahren. Abstand war wichtig.

Evelia, Streetworkerin bei Don Bosco, hat Sara dabei geholfen. Sie hat viel mit ihr geredet und sie verstanden.

Lerne Evelia kennen

Saras Neustart ins Leben

Heute lebt Sara in einem kleinen Zimmer zur Miete. Sie arbeitet jeden Tag in einer Bäckerei. Von morgens bis abends. Sie verdient dort etwa 80 Bolivianos am Tag. Das sind ungefähr 10 Euro. Das Zimmer kostet täglich 50 Bolivianos . Es bleiben also 30 Bolivianos, um Milch und Windeln für ihren Sohn zu kaufen.

Dass Sara bei der Arbeit Frühstück, Mittag- und Abendessen bekommt, hilft ihr sehr. Sie hat keine finanzielle Unterstützung und keine Ersparnisse. Der Vater ihres Kindes ist im Gefängnis. Sie muss allein für ihn sorgen und zugleich arbeiten. Denn nur so kann Sara ihrem Kind ein besseres Leben geben.

Und genau deshalb findest sie die Hilfe für Straßenkinder in Bolivien so wichtig: Damit stärken wir die nächste Generation – die Kinder von ehemaligen Straßenmädchen.

Deine Hilfe für gefährdete Kinder in Bolivien & weltweit

Eine junge Person mit langen dunklen Haaren und dunkler Haut blickt ernst in die Kamera, mit gesprenkeltem Sonnenlicht und Schatten im Gesicht.

Es macht mich traurig, die vielen sehr jungen Kinder so auf der Straße leben zu sehen.

Sara
ehemaliges Straßenmädchen aus Sanza Cruz, Bolivien

Saras Sohn hat alles verändert

Ihr Sohn ist der wichtigste Mensch in Saras Leben. Für ihn hat sie alles verändert.

Sie kann ihn mit zur Arbeit nehmen. Das ist der Grund, warum Sara in der Bäckerei arbeitet. Ohne diese Möglichkeit könnte sie nicht für ihn sorgen. Manchmal passt auch ihre Schwiegermutter auf ihn auf. Finanziell kann ihr die Familie ihres Freundes aber nicht helfen. Sie haben selbst nicht viel. Immerhin unterstützen sie Sara mit dem Kind, damit sie Geld verdienen kann. 

Saras Träume für die Zukunft

Trotz des schwierigen Alltags hat Sara einen großen Traum. Sie möchte ihre eigene Bäckerei eröffnen. Einen kleinen Laden, in dem sie Frühstück verkauft. Im Moment ist das schwer vorzustellen. sara hat kann kaum Geld zur Seite legen. Ihr Alltag ist voll mit Arbeit und der Sorge für ihr Kind. Aber sie gibt nicht auf. Denn sie weiß, dass Veränderung möglich ist – sie hat es elbst erlebt.

Eine bessere Zukunft für ihr Kind

Sara will, dass es ihrem Sohn an nichts fehlt. Essen, Sicherheit und ein Zuhause sind das Wichtigste. Sie wird ihn nie verlassen. Er soll lernen, sich entwickeln und einen guten Beruf haben. Vielleicht studiert er ja sogar. Und Sara möchte dabei an seiner Seite sein.

Sara selbst redet eigentlich nur noch mit ihrem Opa. Zum Rest ihrer Familie hat sie keinen Kontakt mehr. Ihre Mutter hat Sara ihr erstes Baby, ihre Tochter, weggenommen. Deswegen will sie sie nicht sehen.

* Zum Schutz für Sara und ihr neues Leben ist ihr Name hier geändert und du siehst keine Bilder von ihr. Die Bilder, die wir dir zeigen, sind während der Sozialarbeit auf den Straßen von Santa Cruz und im dortigen Don Bosco Straßenkinderzentrum Techo Pinardi entstanden.

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Häufige Fragen zum Thema Straßenkinder & Soziale Arbeit

„Youth at Risk“ bezeichnet junge Menschen, deren Entwicklung durch schwierige Lebensumstände erheblich gefährdet ist. Dazu zählen Armut, Gewalt, fehlender Zugang zu Bildung, Flucht, Diskriminierung oder Konflikte mit dem Gesetz. Der Begriff beschreibt nicht die Persönlichkeit der Jugendlichen, sondern die Risiken ihrer Lebenssituation.

Straßenkinder sind Kinder und Jugendliche, die zeitweise oder dauerhaft ohne festen Wohnsitz leben und den größten Teil ihres Alltags im öffentlichen Raum verbringen. Sie sind häufig auf sich allein gestellt, arbeiten oft informell, um zu überleben, und sind besonders gefährdet durch Armut, Ausbeutung, Gewalt oder fehlenden Schutz. Straßenkinder gibt es weltweit – auch in Deutschland – und sie benötigen gezielte Unterstützung, um Sicherheit, Bildung und Perspektiven zu erhalten.

Schätzungen zufolge leben rund 100 Millionen Kinder ganz oder zeitweise auf der Straße. Verlässliche Zahlen sind schwer zu erheben. Häufige Gründe sind extreme Armut, familiäre Gewalt, Vernachlässigung, Krieg, Flucht oder der Verlust der Eltern. Straßenkinder sind besonders gefährdet durch Ausbeutung, Missbrauch und fehlenden Schutz.

Ja. Auch in Deutschland leben Minderjährige zeitweise ohne festen Wohnsitz oder halten sich überwiegend im öffentlichen Raum auf. Die Ursachen liegen meist in familiären Konflikten, Gewalt oder Überforderung im Elternhaus. Die Betroffenen wechseln häufig zwischen Notunterkünften, Bekannten und der Straße.

Als „schwer erreichbar“ gelten junge Menschen, die von bestehenden Bildungs- und Hilfesystemen kaum erreicht werden. Oft leben sie in instabilen Verhältnissen, haben negative Erfahrungen mit Institutionen gemacht oder sind bereits aus Schule, Ausbildung oder Jugendhilfe herausgefallen.

Nein, der Begriff ist nicht auf Deutschland beschränkt. Weltweit gibt es junge Menschen, die durch Armut, Gewalt, fehlenden Zugang zu Bildung, Flucht oder instabile Lebensverhältnisse kaum erreicht werden. International wird dafür häufig der Begriff „hard-to-reach“ oder der Fachbegriff Youth at Risk verwendet.

Eine genaue Zahl gibt es nicht, in Deutschland sind aber zehntausende Jugendliche schwer erreichbar. Häufige Gründe sind Armut, familiäre Konflikte, psychische Belastungen, Gewalterfahrungen, Suchterkrankungen, Schulabbrüche oder fehlendes Vertrauen in staatliche Hilfesysteme. Auch weltweit stehen Millionen Jugendliche vor ähnlichen Herausforderungen. In vielen Ländern fehlen jedoch ausreichende Unterstützungsangebote.

Die Gründe sind vielfältig und häufig sozial bedingt. Dazu gehören Armut, fehlende Bildung, Leben auf der Straße oder mangelnde familiäre Unterstützung. Viele Jugendliche geraten wegen Diebstählen, im Umfeld von Banden oder im Zusammenhang mit Drogenhandel und Kinderprostitution mit dem Gesetz in Konflikt. Hinter den Straftaten stehen oft Perspektivlosigkeit und soziale Notlagen.

Weltweit befinden sich mehrere hunderttausend Minderjährige in Haft – in Untersuchungshaft, Strafvollzug oder geschlossenen Einrichtungen. Die Bedingungen unterscheiden sich stark je nach Land. In vielen Regionen leben gefangene Jugendliche unter unwürdigen Bedingungen. Es fehlen Bildungsangebote, rechtliche Unterstützung und eine angemessene Betreuung.

Bereits Johannes Bosco setzte sich im 19. Jahrhundert für Jugendliche im Gefängnis ein. Er war überzeugt, dass junge Menschen Begleitung und Bildung benötigen, um ihr Leben neu auszurichten. Don Bosco führt dieses Engagement weltweit fort, insbesondere im Bereich Jugendstrafvollzug und Resozialisierung.

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Zwei lächelnde Frauen mit grauen Haaren, eine mit schulterlangen Wellen, die andere mit kurzen, stacheligen Haaren.
Tanja Kabon & Inés Bautz