Ein junger Junge hockt lächelnd auf staubigem Boden, hält einen Kreisel mit Schnur, im Hintergrund provisorische Behausungen.

Indien: Vermisste Kinder Die Geschichte von Irfan aus Bangalore

Insgesamt 26 Tage wurde der neunjährige Irfan vermisst. Seine Eltern suchten ihn verzweifelt. Dann fanden sie ihn endlich wieder - mit Hilfe der Polizei und Don Boscos.

Verzweifelt gesucht Wie Irfan nach 26 Tagen seine Eltern wiederfand

Irfan (Name geändert) ist neun Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern in einem der großen Elendsviertel von Bangalore. Die Eltern arbeiten hart, doch ihr Lohn reicht kaum für das Nötigste. Weil sie den ganzen Tag unterwegs sind, ist Irfan nach der Schule oft auf sich allein gestellt. Eines Tages fährt eine Auto-Rikscha in den Slum. Die Fahrer verteilen ein traditionelles Reisgericht an die Bewohner – auch Irfan bekommt einen Teller der warmen Mahlzeit. Was danach geschieht, weiß niemand.

Keine Spur von Irfan

Als Irfans Eltern am Abend nach Hause kommen, ist ihr Sohn verschwunden. In ihrer Verzweiflung melden sie ihn als vermisst. Der Vater sucht unermüdlich – auch im Don Bosco Schutzhaus für Jungen in Not. Dort klammert er sich an die Hoffnung auf eine Spur. Doch Irfan bleibt verschwunden. Sein Schicksal ist kein Einzelfall: In Indien gelten jeden Monat fast 9.000 Kinder als vermisst.

Die digitale Datenbank von Don Bosco ... in Zahlen

100.000
vermisste Kinder

Mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr in Indien vermisst. Viele sind Opfer von Menschenhandel in Indien oder landen auf der Straße.

250.000
Datensätze

Um vermisste Kinder schneller aufzufinden, hat Don Bosco in Indien die Datenbank “Homelink Network” entwickelt. Die Daten von mehr als 250.000 Kindern sind dort erfasst.

75%
erfolgreiche Suchen

Ziel der Datenbank ist es, vermisste Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. In 75 % der Fälle konnten die Eltern der vermissten Kinder wiedergefunden und die Kinder nach Hause gebracht werden.

Ein Netzwerk der Suche

Damit vermisste Kinder möglichst schnell wiedergefunden werden, hat Don Bosco vor mehr als zehn Jahren ein landesweites Netzwerk in Indien aufgebaut. Teams im ganzen Land greifen auf eine zentrale Datenbank zu, in der rund 250.000 Mädchen und Jungen erfasst sind. Sie gleichen Vermisstenmeldungen mit den Profilen geretteter Kinder ab und können so schnell Verbindungen herstellen. Auch suchen sie nach Symptomen von Kinderarmut in Indien, um Menschenhandel und das Verschwinden von Kindern zu verhindern. Das System ist so erfolgreich, dass drei von vier gemeldeten Kindern wiedergefunden werden.

Deine Hilfe für gefährdete Kinder in Indien & weltweit

Junger indischer Junge mit verschränkten Armen vor einem grünen Hintergrund mit der Aufschrift 'Education is Wealth'.

Gefährdeten Kindern frühzeitig helfen

Um gefährdete Kinder vor Menschenhandel und Missbrauch zu schützen, setzt die Hilfe der Don Bosco Teams frühzeitig an. Mitarbeitende sind auf Straßen und an Bahnhöfen unterwegs und halten Ausschau nach Mädchen und Jungen, die dort allein umherirren. Sie sprechen die Kinder an, bauen Vertrauen auf und bringen sie zunächst in ein Don Bosco Schutzhaus. Dort sind die Kinder sicher, werden versorgt und finden einen geschützten Ort, um zur Ruhe zu kommen.

Hilfe für vermisste Kinder in Indien Don Bosco in Bangalore

Eine lächelnde dreiköpfige Familie (Frau, Mann, Junge) steht vor einem einfachen Haus.

Der 9-jährige Irfan lebt mit seinen Eltern in einem Armenviertel in Bangalore. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

© Don Bosco Mission Bonn / ich.tv / Nishant Ratnakar
Ein lächelnder Mann und Junge sitzen in einer gelben Autorikscha neben Pappe und einem grünen Behälter mit der Aufschrift 'Health'.

Seine Eltern sind arm und müssen sich ihr Geld als Tagelöhner verdienen. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Hütten aus Metall und Planen säumen einen Feldweg, kontrastierend mit großen weißen Wohngebäuden und Palmen dahinter.

Als die Eltern arbeiten waren, wurde Irfan beim Spielen entführt. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Zwei Jungen stehen neben einem Metallschrank mit Plakaten über vermisste Kinder. Einer trinkt aus einem Metallbecher in einer urbanen Szene.

Was mit Irfan passierte, weiß heute niemand. Am Bahnhof wurde das Don Bosco Team schließlich auf den Jungen aufmerksam. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Ein farbenfroher 'Child Help Desk' Stand an einem indischen Bahnhof mit einem roten Zug und Bänken.

Am Bahnhof arbeitet das Don Bosco Team rund um die Uhr, um gefährdete Kinder frühzeitig zu finden. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Ein indischer Polizist spricht mit einer Frau und einem Kind in einer Polizeistation mit Kriminalitätsübersichten.

Das Don Bosco Team in Bangalore arbeitet auch eng mit der Polizei zusammen. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Ein Kind von hinten hält einen gelb-blauen Ball und blickt in einen Raum mit anderen Menschen.

Kann die Familie eines Kindes nicht ausfindig gemacht werden, kommt es in einer Don Bosco Einrichtung unter. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Porträt einer dreiköpfigen Familie: Frau in Rot, Mann in Rosa und ein Junge mit Papier, sitzend in ihrem Zuhause.

Auch Irfan wurde von seinen Eltern in einer Don Bosco Einrichtung wiedergefunden. Sie sind froh, dass er nun endlich wieder Zuhause ist. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

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Junger Junge mit lockigem Haar lächelt beim Fahrradfahren auf einem Feldweg in einem Lager mit Behelfsunterkünften.

Irfan liebt es, mit dem Fahrrad von seiner Mutter zu fahren. Weit weg von seinem Zuhause bewegt er sich nicht mehr. ©ich.tv/Nishant Ratnakar

© Don Bosco Mission Bonn / ich.tv / Nishant Ratnakar

Zurück in die Familie

Ist ein Kind sicher bei Don Bosco untergekommen, beginnt die Suche nach seiner Familie. Wo immer möglich, nimmt Don Bosco Kontakt zu den Eltern auf und begleitet den Prozess der Familienzusammenführung. Mitarbeitende besuchen die Familien und ihre Kinder regelmäßig und vergewissern sich, dass es den Mädchen und Jungen gut geht. Können Kinder nicht in ihre Herkunftsfamilie zurückkehren, sucht Don Bosco für sie ein neues, dauerhaftes Zuhause.

Irfans Wiedersehen mit seiner Familie

Auch Irfan fällt Don Bosco Mitarbeitenden an einem Busbahnhof auf. Ängstlich und völlig eingeschüchtert nennt der Junge zunächst einen falschen Namen. So vergehen 26 lange Tage, bis seine Eltern gefunden sind und er endlich nach Hause zurückkehren kann. Bis heute weiß niemand, was Irfan in dieser Zeit widerfahren ist – und er selbst möchte nicht darüber sprechen. Wie tief seine Angst sitzt, spüren seine Eltern jeden Tag: Er entfernt sich kaum noch von zu Hause, aus Furcht, seine Familie erneut zu verlieren.

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Häufige Fragen zum Thema Kinderrechte & Schutz

Spenden braucht Vertrauen. Don Bosco Mission Bonn, über welche deine Spende verwaltet wird, unterzieht sich als Einrichtung der Salesianer Don Boscos jedes Jahr freiwillig der unabhängigen Prüfung durch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) und hat als Zeichen der Vertrauenswürdigkeit das DZI-Spendensiegel zuerkannt bekommen (Don Bosco Mission Bonn auf der Website des DZI). Don Bosco Mission Bonn lässt seit Jahren zudem eine jährliche externe Prüfung einschließlich Belegprüfung durchführen.

Die Rechte von Kindern und Jugendlichen sind seit 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriegen. Doch schon im 19. Jahrhundert begann die Menschheit, Kindern bestimmte Rechte zuzusprechen, so wie ein Verbot von Kinderarbeit in Großbritannien 1833 und ein Verbot von Gewalt gegen Kinder in Detuschland im Jahr 1896.

Die vier Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) sind:

  1. Nichtdiskriminierung: Kinderrechte gelten für ALLE Kinder, ohne Ausnahme.
  2. Vorrang des Kindeswohls: Bei gerichtlichen Entscheidungen (zum Beispiel beim Thema Sorgerecht) muss das Wohl des Kindes den Ausschlag geben.
  3. Leben und Entwicklung: Jeder Staat hat das Überleben und die Entwicklung von Kindern "im größtmöglichen Maß" zu sichern.
  4. Berücksichtigung der Meinung und Beteiligung: Kinder haben das Recht, sich in allen sie betreffenden Angelegenheiten zu äußern, gehört zu werden und beteiligt zu werden

Der Gründer der Salesianerbewegung, der Heilige Don Bosco, erkannte schon vor 150 Jahren, dass Kinder und Jugendliche jeder Herkunft ein Anrecht auf Bildung und Wertschätzung haben. So widmete er sein Leben dem Schutz und der Förderung der armen Straßenkinder von Turin. Aus seiner Arbeit ist heute ein weltweites Netzwerk geworden, das unermüdlich für Kinderrechte einsteht.

Don Bosco setzt sich als Anbieter von Schul- und Ausbildung in über 130 Ländern besonders für das Recht auf Bildung ein. Durch den einzigartigen Ansatz der Don Bosco Pädagogik erhälten Kinder Stärke, Selbstwertgefühl und einen ausgeglichenen Lebensalltag. Außerdem betreibt Don Bosco weltweit Wohnheime, Schutzunterkünfte, in denen Jugendliche Gewalt und Ausbeutung in ihrem Alltag entkommen können.

Don Bosco ist eine große Gemeinschaft und bietet viele Möglichkeiten, mitzumachen und sich für die Rechte von Kindern einzusetzen. Der einfachste Weg ist durch eine Spende. Jede Hilfe trägt dazu bei, das Leben von Millionen Jugendlichen etwas besser zu machen! Erfahre hier, wie Du sonst noch aktiv werden kannst.

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Zwei lächelnde Frauen mit grauen Haaren, eine mit schulterlangen Wellen, die andere mit kurzen, stacheligen Haaren.
Tanja Kabon & Inés Bautz