Junge Frau mit langen dunklen Haaren, weißem Stirnband, rosa Jacke und Schal blickt nach vorne im Freien.

Hard to reach: Schwer erreichbare Jugendliche Maria aus Berlin

Maria hat früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen – doch irgendwann reichte das nicht mehr. Bei Don Bosco fand sie Halt, Unterstützung und eine neue Perspektive.

Wenn das Leben schwer wird

Maria weiß wie es sich anfühlt, alleine zu sein. Die junge Frau hat früh gelernt auf eigenen Beinen zu stehen. Ihre Mutter ist früh gestorben, von ihrem Vater spricht sie nicht. „Ich bin alleinstehend“, sagt sie. Doch Familie ist ihr wichtig – vor allem ihr kleiner Bruder, den sie alle zwei Wochen in einer Wohngruppe besucht. Sie lebte lange in Marzahn-Hellersdorf, einem Viertel, in dem man, wie sie sagt, „ein dickes Fell braucht“. Ob sie dieses dicke Fell hat? „Ja“, antwortet sie, „anders hätte ich es dort nicht geschafft.“ 

Ein Neuanfang

Irgendwann merkte sie aber, dass sie nicht mehr alleine zurechtkam. Deshalb rief sie bei Don Bosco an, suchte dort Rat und Unterstützung. Schließlich holten die aufsuchenden Sozialarbeiter sie aus ihrer Wohnung in das Don Bosco Zentrum. Dort konnte sie in einem Bett in der Notunterkunft unterkommen. Ein wichtiger Schritt für Maria. Seit einiger Zeit lebt sie nun bei Don Bosco und schätzt besonders die familiäre Atmosphäre und die bedingungslose Hilfe.

Im Gespräch mit Maria Luke Kelly besucht Don Bosco in Berlin

Willkommen in Berlin Luke bei Don Bosco – Teil 1

In Berlin-Marzahn trifft sich Luke mit dem Einrichtungsleiter Pater Simon Härting SDB und erfährt mehr über die Don Bosco Arbeit für Kinder und Jugendliche und die Idee dahinter. Unterwegs mit Sozialarbeiterin Jessica lernt Luke mit welchen Herausforderungen Jugendliche in Berlin-Marzahn konfrontiert sind und was es braucht, um diese zu beseitigen.

Mit dem Bus durch Marzahn Luke Kelly bei Don Bosco – Teil 2

Am zweiten Tag seines Besuchs lernt Luke Sozialarbeiterin Michelle kennen und fährt mit ihr im Beratungsbus durch das Viertel. Luke trifft auch Maria, die seit einigen Wochen bei Don Bosco lebt, und ihm von ihrer Geschichte und ihren Träumen für die Zukunft erzählt.

Marias Hoffnung

„Hier muss ich nichts zurückgeben, für die Unterstützung, die ich bekomme“, sagt sie. Ihr Sozialarbeiter ist eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen geworden. Ihr nächstes Ziel: einen Platz in einer betreuten Wohngruppe zu erhalten und eine Anstellung als Textilverkäuferin. Während sie spricht, zieht sie die rosa Daunenjacke enger um sich, als wolle sie sich darin verstecken. Maria spricht leise und ist sehr zurückhaltend – eine Jugendliche, die von anderen Menschen eher übersehen wird – „hard to reach” eben.

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Ein Mann mit dunklen Haaren und eine blonde Frau in rosa Hoodie spazieren im Freien und unterhalten sich.

Brücken bauen zurück ins Leben

Jessica, eine Sozialarbeiterin im Don Bosco Team, kennt die Sorgen und Kämpfe der Jugendlichen nur zu gut. „Viele haben den Glauben an sich selbst verloren“, erzählt sie. „Unsere Aufgabe ist es, diesen jungen Menschen wieder eine Perspektive zu bieten”. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf den sogenannten „schwer erreichbaren“ Jugendlichen. Das sind Jugendliche, die von staatlichen Hilfen nicht mehr erreicht werden und durch das soziale Netz fallen. „Auch wenn diese Jugendlichen schwer zu erreichen sind, so dürfen wir sie nicht aufgeben“, erklärt Jessica.

Hilfe für schwer erreichbare Jugendliche Die „Manege im Don Bosco Zentrum“ in Berlin-Marzahn

Ein Mann und zwei Frauen stehen vor einem weißen Boni-Bus mit der Aufschrift „Wir beraten dich mobil“ auf einem sonnigen Platz.

Mehrmals in der Woche fährt das Team von Don Bosco in Berlin mit einem Beratungsbus an öffentliche Plätze im Viertel Berlin-Marzahn. ©Tapehouse Productions

Zwei Frauen in Wintermänteln lächeln und unterhalten sich draußen auf einem Sims. Im Hintergrund ist ein gelber Bus mit "BOMBUS" zu sehen.

Sozialarbeiterin Michelle kennt die Ängste und Sorgen der Jugendlichen im Viertel. Wo es möglich ist, hilft sie direkt vor Ort und Stelle. ©Tapehouse Productions

Ein Mann mit dunklen Haaren und eine blonde Frau in rosa Hoodie spazieren im Freien und unterhalten sich.

Auch Jessica ist eine Sozialarbeiterin im Don Bosco Team. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf sogenannten „schwer erreichbaren“ Jugendlichen. Jugendliche, die durch das soziale Netz fallen.  ©Tapehouse Productions

Blonde Frau in pinkfarbenem Hoodie drückt Klingelknopf an Gegensprechanlage mit Nr. 15, blickt zurück.

„Auch wenn diese Jugendlichen schwer zu erreichen sind, so dürfen wir sie nicht aufgeben“, erklärt Jessica. „Und genau deshalb gehen wir zu ihnen hin. Wir klingeln an den Türen und schauen dann wie wir helfen können.“ ©Tapehouse Productions

Ein lächelnder Mann mit Brille und Fleecejacke spricht mit einer Frau an einem Tisch in einem hellen Raum.

Pater Simon Härting SDB ist der Einrichtungsleiter der „Manege im Don Bosco Zetrum in Berlin”. Die Manege ist eine Anlaufstelle für junge Menschen im Viertel. Ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und Hilfe finden können. ©Tapehouse Productions

Vier Personen unterhalten sich an einer modernen Küchentheke mit Kerze und Blumen. Im Hintergrund ein Willkommensschild und ein Holzkreuz.

Das Team der Manege ist 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr für diese Jugendlichen da. Viele junge Menschen haben mit schwierigen familiären Situationen zu kämpfen, sind von Armut betroffen oder finden keinen Zugang zu Bildung und Arbeit. ©Tapehouse Productions

Mann und Frau lächeln und unterhalten sich an einem Tisch in einem hellen Raum.

Im Notfall finden Jugendliche in der Manege auch ein Bett für die Nacht oder ein Zuhause auf Zeit. So wie Maria, die nun davon träumt in eine Wohngruppe zu ziehen und eine Ausbildung zu machen. ©Tapehouse Productions

Hilfe, die ankommt

Don Bosco setzt auf langfristige Begleitung statt auf schnelle Lösungen. Neben individueller Unterstützung und der Möglichkeit bei Don Bosco zu wohnen, bietet die Manege berufsvorbereitende Programme und Aktivierungshilfen für „hard to reach” Jugendliche in schwierigen Lebenslagen an. Ein Beratungsbus fährt zweimal die Woche an öffentliche Plätze des Viertels, um Menschen direkt vor Ort Hilfe und Unterstützung anzubieten. Ziel ist es, allen Jugendlichen Zukunftsperspektiven zu geben, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund oder ihren Lebensläufen.

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Häufige Fragen zum Thema Straßenkinder & Soziale Arbeit

„Youth at Risk“ bezeichnet junge Menschen, deren Entwicklung durch schwierige Lebensumstände erheblich gefährdet ist. Dazu zählen Armut, Gewalt, fehlender Zugang zu Bildung, Flucht, Diskriminierung oder Konflikte mit dem Gesetz. Der Begriff beschreibt nicht die Persönlichkeit der Jugendlichen, sondern die Risiken ihrer Lebenssituation.

Straßenkinder sind Kinder und Jugendliche, die zeitweise oder dauerhaft ohne festen Wohnsitz leben und den größten Teil ihres Alltags im öffentlichen Raum verbringen. Sie sind häufig auf sich allein gestellt, arbeiten oft informell, um zu überleben, und sind besonders gefährdet durch Armut, Ausbeutung, Gewalt oder fehlenden Schutz. Straßenkinder gibt es weltweit – auch in Deutschland – und sie benötigen gezielte Unterstützung, um Sicherheit, Bildung und Perspektiven zu erhalten.

Schätzungen zufolge leben rund 100 Millionen Kinder ganz oder zeitweise auf der Straße. Verlässliche Zahlen sind schwer zu erheben. Häufige Gründe sind extreme Armut, familiäre Gewalt, Vernachlässigung, Krieg, Flucht oder der Verlust der Eltern. Straßenkinder sind besonders gefährdet durch Ausbeutung, Missbrauch und fehlenden Schutz.

Ja. Auch in Deutschland leben Minderjährige zeitweise ohne festen Wohnsitz oder halten sich überwiegend im öffentlichen Raum auf. Die Ursachen liegen meist in familiären Konflikten, Gewalt oder Überforderung im Elternhaus. Die Betroffenen wechseln häufig zwischen Notunterkünften, Bekannten und der Straße.

Als „schwer erreichbar“ gelten junge Menschen, die von bestehenden Bildungs- und Hilfesystemen kaum erreicht werden. Oft leben sie in instabilen Verhältnissen, haben negative Erfahrungen mit Institutionen gemacht oder sind bereits aus Schule, Ausbildung oder Jugendhilfe herausgefallen.

Nein, der Begriff ist nicht auf Deutschland beschränkt. Weltweit gibt es junge Menschen, die durch Armut, Gewalt, fehlenden Zugang zu Bildung, Flucht oder instabile Lebensverhältnisse kaum erreicht werden. International wird dafür häufig der Begriff „hard-to-reach“ oder der Fachbegriff Youth at Risk verwendet.

Eine genaue Zahl gibt es nicht, in Deutschland sind aber zehntausende Jugendliche schwer erreichbar. Häufige Gründe sind Armut, familiäre Konflikte, psychische Belastungen, Gewalterfahrungen, Suchterkrankungen, Schulabbrüche oder fehlendes Vertrauen in staatliche Hilfesysteme. Auch weltweit stehen Millionen Jugendliche vor ähnlichen Herausforderungen. In vielen Ländern fehlen jedoch ausreichende Unterstützungsangebote.

Noch Fragen? Unser Team hilft dir gerne weiter!

Zwei lächelnde Frauen mit grauen Haaren, eine mit schulterlangen Wellen, die andere mit kurzen, stacheligen Haaren.
Tanja Kabon & Inés Bautz