Bororo aus Brasilien auf den Spuren P. Lunkenbeins in Deutschland

Vor den Gedenkfeiern zum 50. Todestag von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo in Brasilien besuchte eine Delegation aus Meruri Anfang Juli die Heimat des Salesianers in Deutschland. Die Reise führte die Gäste zu den Lebens- und Ausbildungsorten des Missionars und bot zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch mit Weggefährten und Partnern der Salesianer Don Boscos.
Auf Einladung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos reisten vom 4. bis 12. Juli fünf Angehörige des indigenen Volkes der Bororo gemeinsam mit drei Salesianern aus dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso nach Deutschland. Zur Delegation gehörten Mizael de Melo Tudugaregue Etoguiu, Lauro Lopes Leandro Pariko Ekureu, Elitanea Leandro Araru Ekureudo, Kemelly Xavier da Silva Boro Kuodago und Marina Tawie. Begleitet wurden sie von den Salesianern Pk. Vinicius Neto Martins, Br. Javael Bokodori Ekureu – selbst Angehöriger des Volkes der Bororo – sowie P. João Bosco Monteiro Maciel, Provinzsekretär der Salesianerprovinz Campo Grande und Vizepostulator im Seligsprechungsprozess von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo.
Begleitet wurde die Gruppe von P. Johannes Kaufmann und Mika Springwald, die im Februar selbst Meruri besucht hatten. Wie P. João Bosco erklärte, stand für die Gäste vor allem das Kennenlernen der Heimat ihrer früheren deutschen Missionare im Mittelpunkt: „Wir wurden eingeladen, nach Deutschland zu kommen, um die Orte kennenzulernen, an denen P. Rudolf gelebt hat.“
Begegnungen in Bamberg
Erste Station der Reise war Bamberg. Dort besuchte die Delegation den Dom und wurde von Erzbischof Herwig Gössl empfangen. Außerdem lernte sie das Don Bosco Jugendwerk kennen, das Zirkuspädagogik in der Arbeit mit benachteiligten jungen Menschen einsetzt.
„Das Zirkuskonzept bietet jungen Menschen die Möglichkeit, Neues zu lernen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Das ist etwas Wunderbares“, sagte P. João Bosco. Beim Besuch tauschten die Gäste aus Brasilien und die Jugendlichen des Jugendwerks auch kulturelle Beiträge aus: Während die deutschen Jugendlichen ihre Zirkuskünste präsentierten, sangen die Bororo traditionelle Lieder ihres Volkes und überreichten Kreuze und Kugelschreiber mit Motiven ihrer Kultur.
Auf den Spuren des Missionars
Die Pilgerreise führte weiter nach Döringstadt, dem Geburtsort P. Rudolf Lunkenbeins. Dort besuchte die Delegation sein Elternhaus, die Pfarrkirche seiner Kindheit sowie den Friedhof, auf dem seine Eltern bestattet sind. P. João Bosco erinnerte dabei an die Kindheit des Missionars während des Zweiten Weltkriegs: „P. Rudolf verbrachte seine Kindheit in einer schweren Zeit. Es war vor allem seine Mutter, die die Familie durch diese Jahre getragen hat.“ Auch ein Besuch in dem für Franken bedeutenden Wallfahrtsort Vierzehnheiligen stand auf dem Programm.
Weitere Stationen waren Buxheim, wo Rudolf Lunkenbein als Ordensaspirant die Schule besuchte, sowie Benediktbeuern, wo er nach seiner Anfangsausbildung in Brasilien Theologie studierte und 1969 zum Priester geweiht wurde.
Für Provinzial P. Reinhard Gesing war gerade der Besuch dieser Orte von besonderer Bedeutung: „Für uns als deutsche Provinz ist es eine große Ehre, dass sich eine Gruppe von Bororos aus Meruri, denen P. Lunkenbein sein Leben verschrieben hatte, und Mitbrüdern der Provinz Campo Grande, zu der er gehört hatte, auf den weiten Weg zu uns gemacht hat, um hier die Orte seiner Kindheit und Jugend kennenzulernen. Denn in Döringstadt, Buxheim und Benediktbeuern wurde P. Lunkenbeins missionarische Berufung grundgelegt, hier hat er sich auf sein späteres Wirken vorbereitet. Man kann einen Menschen ja immer nur aus seinen Wurzeln heraus verstehen.“
Besonders beeindruckt habe ihn die Offenheit der jungen Gäste aus Brasilien: „Die jungen Bororos sind noch nie so weit weg von ihrer Heimat gewesen. So haben sie über vieles gestaunt, was sie gesehen und gehört haben, und waren sehr dankbar für unsere Gastfreundschaft. Aber auch für uns war ihr Besuch ein großes Geschenk. Denn die jungen Leute aus Meruri waren lebendige Zeugen dafür, wie fruchtbar P. Lunkenbeins Wirken für ihr Volk war.“
Dritte Reise der Bororo nach Europa
Die Reise war der dritte Besuch einer Bororo-Delegation in Europa. Die ersten beiden Besuche fanden 1898 sowie Ende der 1980er- beziehungsweise Anfang der 1990er-Jahre statt. Damals trafen Vertreter der Bororo in Paris unter anderem den Ethnologen Claude Lévi-Strauss. P. João Bosco stellte die aktuelle Begegnung in diesen Zusammenhang: „Nun ist es an unserer Gruppe, den Spuren von P. Rudolf zu folgen.“
Zum Programm gehörten außerdem ein Besuch in München und der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie die Vorstellung einer von P. Josef Grünner verfassten Biografie über P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo, die auch in portugiesischer Sprache erscheinen soll.
Während der ganzen Woche zeigten sich die jungen Gäste aus Meruri tief beeindruckt von den Kindheits- und Jugenderfahrungen P. Rudolf Lunkenbeins, zugleich aber auch von den vielfältigen Begegnungen und den kulturellen Schätzen, die sie in Deutschland kennenlernen konnten.
Austausch über Kontinente hinweg
Den Abschluss bildete die Teilnahme am Heinrichsfest des Erzbistums Bamberg. Dort nahm die Gruppe gemeinsam mit Salesianern der Deutschen Provinz, unter ihnen auch Provinzial P. Reinhard Gesing, am Pontifikalgottesdienst mit Erzbischof Herwig Gössl auf dem Domplatz teil. Inspiriert vom diözesanen Jahresmotto „Du bewegst die Welt“ würdigte Erzbischof Gössl in seiner Predigt das Wirken P. Rudolf Lunkenbeins, der – selbst bewegt von der Botschaft des Evangeliums – dem Volk der Bororo neue Hoffnung schenkte und ihm Wege in die Zukunft eröffnete.
Zum Abschluss der Eucharistiefeier spendete der Erzbischof der Delegation den Reisesegen. Musikalisch begleitet wurde dieser vom Gesang des jungen Bororo Mizael de Melo. Damit erklangen erstmals Lieder in der Sprache der Bororo auf dem Bamberger Domplatz.
Im Anschluss reiste die Delegation gemeinsam mit einer 14-köpfigen deutschen Pilgergruppe nach Brasilien. Dort nahmen die Gäste am 15. Juli gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern an den Gedenkfeiern zum 50. Todestag von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo in Meruri teil und setzten den Austausch zwischen den Bororo, der Familie Lunkenbein, dem Erzbistum Bamberg und den Salesianern Don Boscos fort.
ANS/RefÖA/kh
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