Freundschaft, die Kontinente verbindet

Die Pilgergruppe nach dem Gebet am Grab von Pater Rudolf Lunkenbein auf dem Friedhof von Meruri (Mato Grosso, Brasilien). Auf der Tafel ist in portugiesisch, deutsch und in der Sprache der Bororo P. Rudolfs Primizspruch zu lesen: „Ich bin zum Dienen gekommen und dafür zu sterben.“

50 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo lebt die Verbindung zwischen Deutschland und der brasilianischen Missionsstation Meruri weiter. Nach dem Besuch einer Delegation aus Meruri in Deutschland reisten nun 14 Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, darunter Provinzial P. Reinhard Gesing als Delegationsleiter, des Erzbistums Bamberg und der Familie Lunkenbein zum Gegenbesuch nach Brasilien. Die Begegnungen machten deutlich: Das Vermächtnis der beiden Märtyrer verbindet Menschen bis heute über Kontinente hinweg.

Ziel der Reise war Meruri im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso – jener Ort, an dem P. Rudolf Lunkenbein fast zwölf Jahre wirkte und am 15. Juli 1976 gemeinsam mit Simão Bororo gewaltsam ums Leben kam. Geistlicher Höhepunkt der Reise war dort die Gedenkfeier zum 50. Todestag der beiden Diener Gottes. Rund 800 Gläubige, sechs Bischöfe, etwa 50 Priester sowie zahlreiche Salesianer, Ordensleute und Seminaristen versammelten sich am Ort ihres Todes zu einer feierlichen Eucharistie unter dem Vorsitz von Dom Paulo Renato Fernandes Gonçalves de Campos, Bischof der Diözese Barra do Garças. 

Gedenken, das Hoffnung schenkt

Trotz des traurigen Anlasses war die Liturgie von Freude und Dankbarkeit geprägt. In seiner Predigt erinnerte der Bischof daran, dass das Vermächtnis der beiden Märtyrer bis heute den Einsatz der Kirche für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden an der Seite der indigenen Völker inspiriere. Gesänge in der Sprache der Bororo, eine gemeinsame Gabenprozession von Angehörigen der Bororo und der Familie Lunkenbein sowie der Segenstanz junger Bororo am Ende der Feier machten eindrucksvoll sichtbar, wie eng christlicher Glaube und indigene Kultur in Meruri miteinander verbunden sind – ganz im Sinne P. Rudolf Lunkenbeins, der sich dafür eingesetzt hatte, Elemente der Kultur der Bororo in die Liturgie der Ortsgemeinde einzubringen.

Im Anschluss dankte Bischof Paulo Renato den Salesianern für ihren jahrzehntelangen Einsatz unter den indigenen Völkern und begrüßte die Gäste aus Deutschland ausdrücklich. Auch der Provinzial der Salesianer der Provinz Campo Grande, P. Adalberto Alves de Jesus, richtete ein Grußwort an die Anwesenden. P. Reinhard Gesing überbrachte die Grüße der Gläubigen aus dem Erzbistum Bamberg sowie der Salesianer, Mitarbeitenden und Jugendlichen der deutschen Ordensprovinz. Er betonte die enge Verbundenheit mit den Menschen in Meruri und versprach, dass die Don-Bosco-Familie in Deutschland die Seligsprechung der beiden Diener Gottes weiterhin im Gebet begleiten werde. Christian Lunkenbein dankte im Namen seiner Familie für die herzliche Aufnahme und das lebendige Gedenken an seinen Onkel und dessen Freund Simão Bororo.

Das Vermächtnis wirkt weiter

Für die deutsche Delegation war die Reise weit mehr als ein Gedenken an die Vergangenheit. In Gesprächen mit den Bororo und den Salesianern wurde deutlich, dass die Herausforderungen der indigenen Bevölkerung bis heute bestehen – von sozialer Ausgrenzung bis zum Kampf um kulturelle Identität und Zukunftsperspektiven. Zugleich erlebten die Teilnehmenden eine große Gastfreundschaft und eine lebendige Kirche, die sich weiterhin an die Seite der indigenen Völker stellt. In gemeinsamen Gesprächsrunden setzten sich die Pilger intensiv mit der Frage auseinander, welche Botschaft das Leben und Wirken P. Rudolf Lunkenbeins heute für Kirche und Gesellschaft bereithält. Für viele verdichtete sich die Erkenntnis, dass sein Vermächtnis nicht allein im Erinnern besteht, sondern im konkreten Einsatz für Menschenwürde, Gerechtigkeit und die Begleitung derjenigen, die am Rand der Gesellschaft leben.

„Durch das Wirken und den selbstlosen Tod von P. Rudolf Lunkenbein und seines Freundes Simão ist Meruri zu einem Gnaden- und Hoffnungsort geworden. Ich bewundere bis heute seinen Mut, seine Entschiedenheit und seine Hoffnung aus dem Glauben. Er bleibt für mich und viele andere Christinnen und Christen ein Vorbild“, so Provinzial P. Reinhard Gesing. Neben den Gedenkfeiern führte die Reise die Delegation auch nach Campo Grande und Cuiabá, wo sie bedeutende Orte der salesianischen Missionsgeschichte besuchte. Gemeinsam mit Bettina und Andreas Harr besuchte Provinzial P. Reinhard Gesing in Poxoréu ein salesianisches Jugendzentrum. Dort übergab er einen symbolischen Scheck über 16.000 Euro und setzte so ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Die Förderung von Don Bosco Mission (Bonn) und Don Bosco Jugendhilfe weltweit (Beromünster) kommt der digitalen Bildung benachteiligter junger Menschen zugute, darunter viele Angehörige der Bororo und Xavante.

Für Christian Lunkenbein, den Neffen des Missionars, war die Reise zugleich ein persönliches Wiedersehen mit den Menschen, die das Andenken seines Onkels bis heute bewahren: „Es war wunderschön, die Bororo und die Salesianer wiederzusehen und am Grab von Rudi sein zu dürfen. Besonders bewegt hat mich die große Gastfreundschaft. Diese Offenheit möchten wir auch zu Hause weiterleben. Die Tür des Elternhauses von P. Rudolf Lunkenbein in Döringstadt steht unseren Freunden aus Meruri immer offen“, erklärte Christian Lunkenbein. 

Begegnung schafft Zukunft

Die Reise machte deutlich, dass das Vermächtnis von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo weit über das Gedenken an ihren Tod hinausreicht. Die Begegnungen stärkten die seit Jahrzehnten gewachsenen Beziehungen zwischen den Bororo, der Familie Lunkenbein, dem Erzbistum Bamberg und den Salesianern Don Boscos. Zugleich nahmen die Pilger die Überzeugung mit nach Deutschland, dass Erinnerung nur dann lebendig bleibt, wenn sie zum Handeln führt. Das Vermächtnis der beiden Diener Gottes lebt dort weiter, wo Menschen sich für die Würde anderer einsetzen und benachteiligten Gemeinschaften verlässliche Wegbegleiter bleiben.

Diese Haltung brachte der frühere Provinzial der Salesianer in Brasilien, P. Gildásio Mendes dos Santos, am Ende des Besuchs in einem Satz auf den Punkt: „Wir können nicht alle Probleme für die Indigenen lösen, aber wir werden immer bei ihnen bleiben, um ihnen nahe zu sein.“ Dieser Gedanke begleitete viele der Teilnehmenden auf ihrer Rückreise und fasst zusammen, was sie aus Meruri mit nach Deutschland nahmen.

Dem Besuch in Brasilien war eine einwöchige Begegnungsreise einer achtköpfigen Delegation aus Meruri nach Deutschland vorausgegangen. Zu ihr gehörten fünf Angehörige des indigenen Volkes der Bororo, zwei Salesianer sowie mit Javael ein Bororo, der selbst Salesianer ist. Auf Einladung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos und des Erzbistums Bamberg besuchten die Gäste die Kindheits- und Ausbildungsorte P. Rudolf Lunkenbeins in Döringstadt, Bamberg, Buxheim, Benediktbeuern und München. Im Mittelpunkt standen Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie der Austausch über die gemeinsame Geschichte und die heutige Don-Bosco-Arbeit. Mit sechs Bororo war es zugleich die bislang größte Delegation aus Meruri, die Europa besuchte. Dass heute ein Bororo selbst als Salesianer wirkt und seine Gemeinschaft begleitet, gehört wohl zu den sichtbarsten Früchten des jahrzehntelangen Wirkens P. Rudolf Lunkenbeins und der Salesianer unter den Bororo. 

Mehr über den Besuch der Delegation aus Meruri in Deutschland lesen Sie hier.

RefÖA/kh

Der Text wurde auf Grundlage des von P. Reinhard Gesing verfassten Pilgerberichts der Reisegruppe mithilfe künstlicher Intelligenz zusammengefasst, redaktionell bearbeitet und geprüft.

Weitere Eindrücke der Pilgerreise

Eucharistiefeier am 15. Juli 2026 in der Missionsstation Herz Jesu zum Gedenken an die beiden Märtyrer von Meruri. Hauptzelebrant: Bischof Paulo Renato Fernandes Gonçalves de Campos, Bistum Barra do Garças.
Begegnung mit den Kindern und Jugendlichen des Oratoriums von Meruri. P. Reinhard Gesing spricht ein Grußwort, das von Fabricio Ferrez Gerardi, einem Freund der Bororos, übersetzt wurde.
Nach dem Gebet an den Gräbern von P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo auf dem Friedhof von Meruri, hier das Grab von P. Rudolf Lunkenbein. Auf der Tafel ist in portugiesisch, deutsch und in der Sprache der Bororo P. Rudolfs Primizspruch zu lesen: „Ich bin zum Dienen gekommen und dafür zu sterben.“
Bei einer Führung durch die Missionsstation Meruri erhielt die deutsche Pilgergruppe Einblicke in das Leben der Bororo und die heutige Arbeit der Salesianer Don Boscos. Die Begegnungen vor Ort machten deutlich, wie lebendig das Vermächtnis von P. Rudolf Lunkenbein bis heute ist.
Führung in der Schule von Meruri durch den Bororo-Lehrer Mariel Kujibo Ekureu (rechts außen), der ein Experte für die Kultur der Bororos ist und die indigenen Kinder und Jugendlichen in diese einführt. Links von ihm Fabrício Ferraz Gerardi, der ein Projekt zur digitalen Sicherung der indigenen Sprachen durchführt. Hier erklärt Mariel der Gruppe die beiden am Schuleingang zu sehenden mythologische Brudergestalten Bakororo und Itubore, die für den Osten und den Westen, das Leben und den Tod stehen.
Führung in der Schule von Meruri durch den Bororo-Lehrer Mariel Kujibo Ekureu (rechts), der ein Experte für die Kultur der Bororos ist und die indigenen Kinder und Jugendlichen in diese einführt. Links Fabrício Ferraz Gerardi, der ein Projekt zur digitalen Sicherung der indigenen Sprachen durchführt. Hier erklärt Mariel der Gruppe die beiden am Schuleingang zu sehenden mythologische Brudergestalten Bakororo und Itubore, die für den Osten und den Westen, das Leben und den Tod stehen.
Im Gedenken an P. Rudolf Lunkenbein und sein Wirken für die jungen Bororos: Scheckübergabe an die Leiterin Lucia Riveira des Centro Juvenil São João Batista in Poxoréu (MT) für die digitale Bildung der vielfach benachteiligten jungen Indigenen.
Nach dem Besuch in der vor wenigen Wochen eingeweihten Gedenkstätte Missão Salesiana Mato Grosso, wo die über 130-jährige Missionsgeschichte der Salesianer Don Boscos im Mato Grosso nachgezeichnet wird. Hier wird außer an P. Rudolf Lunkenbein auch an die Arbeit vieler anderer deutscher Salesianermissionare erinnert, die zu den Pionieren des missionarischen Wirkens zählen und sich unter anderem sehr um die Bewahrung der Kultur und der Sprachen der Bororos und Xavante verdient gemacht haben.
Die Pilgergruppe am Schluss der Stadtführung in Cuiabá in der 1973 errichteten Kathedrale von Cuiabá. Sie steht vor dem Gnadenbild des „guten Herrn Jesus“ (Darstellung des leidenden Christus), welches in der traditionellen Frömmigkeit in Brasilien eine große Bedeutung hat. In dieser Kathedrale hat P. Rudolf Lunkenbein wenige Tage vor seinem Tod an einem Priesterweihegottesdienst teilgenommen.
Ein Wiedersehen mit P. Gildasio Mendes. Er war Provinzial in Campo Grande, bevor er 2020 zum Generalrat für Soziale Kommunikation gewählt wurde. Seit Januar ist er Direktor der Gemeinschaft des Colégio Salesiano Santo Antônio in Coxipó. Als Provinzial hatte er den Seligsprechungsprozess der beiden Diener Gottes gefördert. Als Dank dafür wurde ihm ein Kreuz aus dem Holz eines Dachbalken des Südtraktes des Klosters Benediktbeuern überreicht, wo P. Rudolf Lunkenbein Theologie studiert hatte und zum Priester geweiht worden war.
Die deutsche Pilgergruppe zu Gast in der Gemeinschaft des Colegio Salesiano Santo Antônio in Coxipó. Vorne rechts Br. Alois Würstle, der letzte deutsche Salesianer in der Provinz Campo Grande. Er und sein Bruder Franz hatten viele Dörfer der Indigenen und Niederlassungen der Salesianer mit Brunnen und Elektrizitätswerken ausgestattet.
P. Reinhard Gesing (links) und Andreas Harr (rechts) mit Br. Alois Würstle, dem letzten deutschen Salesianer in der Provinz Campo Grande. Er hatte in Aschau-Waldwinkel seine Ausbildung zum Starkstromelektriker absolviert, bevor er 1957 in die Mission ging. Für sein Wirken erhielt er 2009 das Bundesverdienstkreuz. Heute verbringt er in Coxipó bei Cuiabá seinen Lebensabend.
Die Pilgergruppe mit Bororos aus Meruri und Mitbrüdern der Provinz Campo Grande auf dem ca. 300 m hohen Meruri-Hügel oberhalb des Dorfes und der Mission. Die Herz-Jesu-Statue auf dem Hügel erinnert daran, dass die Mission dem Herzen Jesu geweiht ist.
Im Städtischen Aquarium wurde der Reichtum der Natur des Mato Grosso vermittelt, vor allem die artenreiche Fischwelt des Pantanal. Zu sehen war hier auch der Dourado (lat. Salminus brasiliensis, engl. Golden Dorado), der ein starker Schwimmer und Jäger ist und mit seiner golden glänzenden Färbung auch als „König der Flüsse“ bezeichnet wird. Er kann 3 bis 10 kg schwer und bis zu 1 m lang werden. Es ist der Fisch, nach dem die Bororo P. Rudolf Lunkenbein den Ehrennamen „Koge ekuréu“ verliehen.
Unter der Maria-Hilf-Statue: Dankworte von Provinzial P. Reinhard Gesing und Christian Lunkenbein an P. João Bosco, der das Programm der Pilgerfahrt mit viel Herzblut organisiert hatte und die Gruppe mit großem Engagement begleitete. Als Zeichen des Dankes wurden ihm eine Stola aus Valdocco mit salesianischen Motiven und ein Benediktbeurer Kreuz aus dem Holz eines ausgedienten Dachbalkens überreicht.

Die Fotos wurden von verschiedenen Teilnehmenden der Pilgerreise und von den Öffentlichkeitsreferentinnen des Bistums Barra do Garças (Gedenkfeier) erstellt. Vielen Dank für die Bereitstellung.