Katholikentag in Würzburg: Familientreffen im Zirkuszelt

Würzburg − Am Freitagvormittag um kurz nach elf ist das große Zirkuszelt fast voll besetzt. Kein Wunder, denn ein ganz besonderer Gast hat sich angekündigt. Wenig später ist es so weit: Don Bosco selbst betritt im schwarzen Talar die Manege. Im Musical „Don Boscos Traum“ spielen junge Menschen Szenen aus dem Leben des Turiner Priesters und Ordensgründers nach. Das Publikum verfolgt das Geschehen sichtbar berührt. Am Ende gibt es begeisterten Applaus für den Jugendkammerchor Haidhausen und ihren Chorleiter Stefan Ludwig, von dem auch Text und Musik des Stücks stammen. 

Das Musical war Teil des vielfältigen Programms der Don Bosco Familie auf dem Katholikentag in Würzburg von 13. bis 17. Mai. Zentraler Treffpunkt war das Don Bosco Zirkuszelt auf den Mainwiesen hinter der Friedensbrücke, das den Abschluss der Katholikentagsmeile bildete. Dort erwartete die Besucherinnen und Besucher ein lebendiger Ort für Kinder, Jugendliche und Familien mit Spiel, Begegnung und Raum für Austausch.

Ein Highlight war die tägliche Zirkusgala

Das Programm im und um das Zirkuszelt bot zahlreiche Mitmachaktionen wie Bubble-Fußball, eine Hüpfburg, einen Mitmachzirkus und verschiedene Großspiele. Ergänzt wurde es durch thematische Einheiten zu Nachhaltigkeit, Kreativitätspädagogik sowie zur Arbeit der Salesianer Don Boscos mit jungen Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Ein Abend widmete sich den Don Bosco Volontärinnen und Volontären. Wer Ruhe suchte, fand im Meditationszelt einen Ort zum Innehalten.

Ein Highlight war die tägliche Zirkusgala mit den salesianischen Kinder- und Jugendzirkussen Giovanni aus Bamberg, Birikino von Don Bosco Sachsen und dem Zirkus Pfarelli aus dem Pfarrverband Partenkirchen. Mehr als 30 junge Menschen aus den Einrichtungen boten eine mitreißende Show. 

Auch die Caritas Don Bosco gGmbH öffnete beim Katholikentag gemeinsam mit der Don Bosco Berufsschule Würzburg den „Campus Berufsbildung am Schottenanger“ für Besucherinnen und Besucher. In der Don-Bosco-Kirche am Schottenanger erwartete die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Musikprogramm.

Warum sind Sie hierhergekommen? Katharina & Magnus Balles, Baden-Württemberg

„Wir sind gezielt hierhergekommen, weil wir wussten, dass das ein beständiges Angebot auf dem Katholikentag ist. Und weil wir vor zwei Jahren schon in Erfurt gewesen sind und die ganzen vier Tage mehr oder weniger im Zirkuszelt verbracht haben. Dieses Jahr sind wir nur einen Tag da, weil wir von nicht so weit her sind. Und jetzt haben wir’s endlich gefunden, sind die ganze Kirchenmeile hier hochgelaufen."

© Klaus D. Wolf
Erinnerung an Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo

Am Freitagnachmittag ist über dem Gelände am Main die Sonne herausgekommen. Kinder kugeln in den Bubble-Bällen über den Rasen oder vergnügen sich auf der Hüpfburg. Im Meditationszelt haben es sich einige Mütter mit ihren Kindern auf Decken gemütlich gemacht. Eine Mitarbeiterin mit Gitarre singt mit Gästen religiöse Lieder. 

Familie Balles aus Baden-Württemberg ist gerade auf dem Don Bosco Gelände eingetroffen. „Wir sind gezielt hierhergekommen, weil wir wussten, dass das ein beständiges Angebot auf dem Katholikentag ist“, sagt Vater Magnus. Seine Frau Katharina ergänzt schmunzelnd: „Und weil wir vor zwei Jahren schon in Erfurt gewesen sind und die ganzen vier Tage mehr oder weniger im Zirkuszelt verbracht haben.“ 

Am Essenstand, der von Auszubildenden des Bildungszentrums der Würzburger Caritas-Don Bosco gGmbH und der Berufsbildungswerke Don Bosco Sachsen und Aschau-Waldwinkel betrieben wird, hat sich eine lange Schlange gebildet. Helferinnen und Helfer versorgen die Gäste mit Gebäck und Getränken. 

Ein paar Meter weiter, an der Böschung, wo ein schmaler Pfad zum Main hinunterführt, machen sich 16 Personen bereit für eine Kanufahrt. Der besondere Programmpunkt erinnert an den Missionar P. Rudolf Lunkenbein und den Bororo Simão, deren Ermordung sich 2026 zum 50. Mal jährt. Die Boote hat die Umweltstation von Don Bosco Ensdorf für die Aktion zur Verfügung gestellt. 

Warum ist die Präsenz von Don Bosco auf dem Katholikentag wichtig? P. Johannes Kaufmann, Koordinator des Gesamtprogramms

„Wir zeigen nach außen hin, wir sind Teil der Kirche, wir haben eine Botschaft, wir haben vielleicht auch eine Vision und einen Traum, wie Kirche sein kann, nämlich für junge Menschen, sozial, engagiert, lebendig, mit viel Hoffnung, mit viel positivem Geist. Ich glaube, das ist eine Kirche, die unsere Kirche braucht, die unsere Zeit braucht. Zum Zweiten ist der Katholikentag auch zu einem der Momente geworden, wo wir als Don Bosco Familie zusammenkommen und miteinander ein Zeugnis geben, aber auch uns selber miteinander erfahren als eine Kraft, als eine Chance, Spiritualität gemeinsam zu leben. Das ist eine ganz schöne Erfahrung."

© Klaus D. Wolf
Nachtgottesdienst mit Bischof Stefan Oster und Erzbischof Herwig Gössl

Mehr als 200 Personen waren für Don Bosco während der Veranstaltung auf den Mainwiesen im Einsatz, darunter rund 100 Kinder und Jugendliche. Koordiniert wurde das Gesamtprogramm von P. Johannes Kaufmann, dem Beauftragten für Jugend- und Berufungspastoral der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos, gemeinsam mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Einrichtungen und einem großen Team von Freiwilligen. „Wir haben hier viele Mitarbeitende, viele junge Menschen auch aus schwierigen Kontexten, die aktiv sind. Ich glaube, von unseren 20 deutschen Einrichtungen sind 15 auf irgendeine Art und Weise präsent. Wir haben wenige Aktionen, bei denen wir alle gemeinsam aktiv sind. Das hat eine besondere Qualität." Sein Eindruck zur Halbzeit am Freitagnachmittag: „Wunderschön! Viele Menschen, tolle Atmosphäre, viele junge Leute, die mithelfen und aktiv werden, viele Menschen von der Don Bosco Familie. Es ist ein Geschenk, das zu erleben.“

Ein Nachtgottesdienst mit dem Passauer Bischof Stefan Oster und dem Bamberger Erzbischof Herwig Gössl am Freitagabend erinnerte nochmals an den Missionar P. Lunkenbein und den Bororo Simão. In seiner Predigt verwies Oster an das für die damalige Zeit außergewöhnliche Missionsverständnis des aus dem Erzbistum Bamberg stammenden Salesianers. Dieser habe das Leben der Bororos geteilt, sich an ihre Seite gestellt und Elemente ihrer Kultur in die katholische Liturgie eingebaut. „Wir dienen dem anderen nur, wenn wir lernen, ihn auch als Gabe zu empfangen“, sagte Oster. „Dann wird unsere eigene Hingabe auch ein Geschenk für ihn.“ Er rief dazu auf, für die Seligsprechung P. Lunkenbeins zu beten. Das Verfahren läuft derzeit in Rom.

Am nächsten Morgen startete auf dem Gelände wieder das Programm – mit einem Morgenimpuls in der Tradition Don Boscos. 

Programm Don Boscos

Erinnerung an P. Lunkenbein

Hab Mut, steh auf Was bedeutet Ihnen das Motto des Katholikentags?

P. Reinhard Gesing  Provinzial

Das Motto ist zutiefst biblisch verankert. Immer wieder gibt es in der Bibel das Wort „Habt Vertrauen“. Letztlich geht es um Vertrauen auf Gott, auf Jesus Christus. Der Katholikentag ermutigt die Menschen, aus einer Quelle, aus einem Fundament heraus dieses Vertrauen zu entwickeln und sich den Aufgaben des Lebens zu stellen, auch und gerade in einer schwierigen Zeit mit vielen Herausforderungen. 

Auch Don Bosco war jemand, der immer wieder schwierige Zeiten hatte und für den der Glaube immer eine wichtige Kraftquelle war. Das ist auch für mich so. Wenn man Verantwortlicher für eine ganze Ordensprovinz ist, für viele Einrichtungen, die sich um viele junge Menschen kümmern, dann ich es wichtig, selbst jemand zu sein, der eine Basis hat und der Mut machen kann, auch in vielen schwierigen Situationen. Das ist etwas, was ich gerne tun möchte: ein Mutmacher sein. 

Miriam Reiner ehemalige Volontärin, Helferin

Für mich ist das Motto etwas, was man sehr alltäglich in seine Lebenspraxis integrieren kann. Es bietet Chancen, dass man mal aus seiner Komfortzone rausgeht. Das kann auch in ganz kleinen Sachen passieren, dass man zum Beispiel spontan Begegnungen hat oder ein bisschen aus seiner Alltagsstruktur ausbrechen kann. Das kann schon Mut und Überwindung brauchen, hat dann aber ein reiches Ergebnis. Wenn man im Volunteer-Kontext bei Don Bosco unterwegs ist, hat man ein bisschen die Rolle des Animators. Das ist nichts, was man einmal gelernt hat und dann immer so ist, sondern wo man sich immer wieder einen Stups geben muss. Zu sagen, ich gehe jetzt zu jemandem hin, spreche ihn an, motiviere ihn. Aber dann kann daraus etwas sehr Schönes entstehen. 

P. Johannes Kaufmann Koordinator des Gesamtprogramms

Es ist ein sehr salesianisches Motto. Don Bosco hat immer zu den jungen Menschen „Corragio!“ gesagt, was „Hab Mut!“ heißt. Das ist eine Botschaft, die gerade zurzeit sehr wichtig ist. Das hat uns auch motiviert, viele Dinge zu machen, uns zu trauen, und noch mehr Angebote als sonst zu machen. 

Br. Matthias Bogoslawski Don Bosco Berlin

Wenn ich an meine Arbeit mit den Jugendlichen denke, dann möchte ich denen, die gerade ganz unten sind, zusprechen „Hab Mut, steh auf!“. Ich habe mit Jugendlichen zu tun, die wohnungslos sind und oft keine Perspektive haben. Ihnen möchte ich immer wieder mitgeben: Hab Mut, etwas anzupacken – aber nicht alleine, sondern mit uns, mit Pädagogen, Sozialarbeitern, Psychologen, Seelsorgern. Es sind Leute da, die dir helfen, die bei dir sind. 

Luise Schwegler SMDB Helferin

Vor wenigen Wochen war das Provinzsportfest in Buxheim. Ich habe die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, Mut zu haben, für 160 Jugendliche das Haus aufzumachen und für sie da zu sein. Das war dann einfach nur wunderbar! Es ist alles so gut gelaufen, das Miteinander mit den Jugendlichen und auch mit der Schule, das war richtig schön. 

Mirian Naumann Darsteller des Don Bosco im Musical „Don Boscos Traum“

Ich finde, das ist ein sehr schönes Motto, weil es für mich auch Mut erfordert, auf der Bühne zu stehen. Das ist immer mit Aufregung verbunden. Aber ich finde, solche Dinge muss man dann einfach tun. Das ergibt sich dann im Moment. Ich glaube, das Motto kann eine tolle Inspiration sein für alle Menschen. Wenn man Musik hört und Gemeinschaft sieht, kann man sich überlegen, wo kann ich aktiv werden, wo kann ich Mut beweisen.