Haltung zu zeigen heißt, Verantwortung zu übernehmen Johannes Kaufmann über die Aktualität von Lunkenbein & Simão Bororo
Was kann die Geschichte von Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo jungen Menschen heute noch sagen? Für die Salesianer Don Boscos und das Don Bosco Werk ist ihre Erinnerung keine bloße Rückschau, sondern eine Einladung, über Gerechtigkeit, Verantwortung und gelebten Glauben nachzudenken.
Pater Johannes Kaufmann, Beauftragter für Jugend- und Berufungspastoral Don Boscos in Deutschland, erklärt, warum Mut, Hoffnung und Hingabe gerade heute Orientierung geben können.
Warum ist die Erinnerung an Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo für Don Bosco heute noch wichtig?
P. Johannes Kaufmann: Die Geschichte von Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo berührt zentrale Fragen, die bis heute aktuell sind: Wie gehen wir mit Ungerechtigkeit um? Wo übernehmen wir Verantwortung? Und was bedeutet Glaube konkret im Alltag? Für uns als Salesianer Don Boscos ist ihre Erinnerung deshalb keine bloße Rückschau auf die Vergangenheit. Sie fordert uns heraus, Haltung zu zeigen und junge Menschen darin zu stärken, ihre Welt bewusst und solidarisch mitzugestalten.
Gleichzeitig erinnert uns ihre Geschichte daran, wie wichtig echte Begegnung ist. Lunkenbein war bereit, sich auf die Kultur und Lebensweise der Bororo einzulassen, zuzuhören und von ihnen zu lernen. Dieses Offen-Sein für andere Menschen und Perspektiven ist auch heute entscheidend – gerade in einer Welt, in der viele Gesellschaften immer stärker auseinanderdriften.
Was kann besonders junge Menschen an ihrem Zeugnis inspirieren?
Viele junge Menschen nehmen globale Ungleichheiten, Ausbeutung oder Machtmissbrauch sehr sensibel wahr. Lunkenbein und Simão Bororo zeigen, dass man Unrecht nicht einfach hinnehmen muss. Ihr gemeinsames Zeugnis macht Mut, Fragen nach Gerechtigkeit und Verantwortung zu stellen und sich einzumischen. Dabei geht es nicht um einfache Antworten oder darum, ein Leben zu kopieren. Es geht vielmehr um die Bereitschaft, hinzusehen, solidarisch zu handeln und Hoffnung nicht aufzugeben.
Welche Bedeutung hat ihr Einsatz mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche und ökologische Fragen?
Der Einsatz für die Landrechte der Bororo war immer auch ein Einsatz für den Schutz ihres Lebensraums. Das zeigt etwas, das heute viele junge Menschen bewegt: Soziale Gerechtigkeit und der Schutz der Schöpfung gehören zusammen. Die Geschichte von Lunkenbein und Simão Bororo erinnert daran, dass Menschenwürde, Verantwortung und der achtsame Umgang mit der Erde nicht voneinander getrennt werden können. Gerade darin liegt ihre große Aktualität.
Interview: Ulla Fricke