Land, Kultur und Würde verteidigen

Mission bedeutet heute weit mehr als Evangelisierung. Für Salesianerbruder Mario Bordignon Enareu stehen die Verteidigung indigener Kulturen, der Schutz ihres Landes und die Stärkung ihrer Eigenverantwortung im Mittelpunkt. Rudolf Lunkenbein kämpfte gemeinsam mit den Bororo für Gerechtigkeit und Würde – eine Aufgabe, die bis heute aktuell ist.

Land ist nicht einfach Land. Es ist Leben, Spiritualität und Kultur.

Br. Mario Bordignon Enareu SDB
Missionar bei den Bororo

Gemeinsam für Würde, Kultur und Gerechtigkeit

Wenn ich auf die Mission heute schaue, sehe ich vor allem die Veränderungen, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Konferenz von Medellín begonnen haben. Es ging nicht mehr nur darum zu taufen oder Sakramente zu spenden. Die Kirche hat erkannt, dass sie dem Evangelium treuer sein muss – als „Option für die Armen“, besonders auch für die indigenen Völker.

Für mich sind dabei drei Punkte zentral: Land, Kultur und die Eigenverantwortung der Indigenen. Land ist nicht einfach nur Land. Es bedeutet Leben, Spiritualität, Ahnenverbundenheit und Kultur. Deshalb ist die Verteidigung des Landes immer auch die Verteidigung der Würde eines Volkes.

Rudolf Lunkenbein hat diese neue Linie der Kirche aufgenommen und praktisch umgesetzt. Gemeinsam mit einer Gruppe von Bororo begann er, für das Land von Meruri zu kämpfen. Das war weder innerhalb der Kirche noch in der Gesellschaft einfach. Aber er blieb konsequent.

Mission bedeutet für mich deshalb, den „Samen des Wortes Gottes“ in den Kulturen zu entdecken. Mission heißt, gemeinsam nach den Spuren Gottes zu suchen – nicht, die eigene Kultur zu bringen. Der Missionar geht in das Haus der anderen, nicht in sein eigenes. Deshalb muss er zuerst wahrnehmen, was dort gut ist, die Sprache lernen, die Kultur verstehen und mit den Menschen leben.

Gleichzeitig bedeutet Mission auch, Verantwortung zu übernehmen. Missionarinnen und Missionare begleiten Prozesse, statt sie zu bestimmen – zwischen den indigenen Gemeinschaften und der Außenwelt, besonders gegenüber Politik und Gesellschaft. Doch die Hauptrolle gehört den Menschen selbst. Ihre Eigenverantwortung zu stärken, war eine der großen Neuerungen dieser Zeit – und ist bis heute entscheidend.

Für mich gilt: Es reicht nicht, die Märtyrer zu feiern. Wir müssen die Sache weiterführen, für die sie gelebt haben und gestorben sind – die Verteidigung von Land, Kultur und Würde.

Br. Mario Bordignon Enareu SDB
Missionar bei den Bororo