Mission heute neu denken

Benedikt Kern vom Münsteraner Institut für Theologie und Politik über eine Mission jenseits von Kolonialismus, Kriegspolitik und gesellschaftlicher Lethargie.

Mission bedeutet heute nicht koloniale Überlegenheit, sondern die Hoffnung, dass ein anderes Leben für alle möglich ist.

Benedikt Kern
Münsteraner Institut für Theologie und Politik; ehemaliger Volunteer

Welche Fragen muss sich Mission heute stellen?

Wenn wir das Wort „Mission“ hören, kringeln sich mir erst einmal die Fingernägel hoch. Zu sehr ist der Begriff von der Geschichte des Kolonialismus, Paternalismus und Klerikalismus geprägt. Und trotzdem glaube ich, dass wir in einer Welt, die von Entmenschlichung, kapitalistischer Ausbeutung, Kriegspolitik und Migrationsabwehr bestimmt ist, dringend eine Mission brauchen – im Sinne eines Einstehens für ein gutes Leben für alle.

Papst Franziskus hat für mich ein hilfreiches Verständnis von Mission entwickelt: Es gehe nicht um eine einseitige Verkündigung aus kolonialer Überlegenheit heraus, sondern um eine Umkehr in der Pastoral, um Begegnung auf Augenhöhe und um ein Sich-Einlassen auf die Abgründe menschlichen Zusammenlebens. Mission bedeutet so, daran festzuhalten, dass die biblisch tradierte Befreiung möglich ist: ein Ende von Kriegen und Gewaltverhältnissen, ja der Abbruch jeder Leidensgeschichte und die Möglichkeit des Reiches Gottes – also eines Lebens von Menschen als Freie und Gleiche.

Konkret sollten wir es deshalb zu unserer Mission machen, auch Konflikte einzugehen: mit einem Nein zur Kriegsmobilisierung, zur Grenzabschottung und zur kapitalistischen Verwertung unseres Lebens.

Mission muss deshalb die Frage stellen: Wie kann in einer hoffnungslosen Welt ein Einstehen für die Hoffnung auf Veränderbarkeit des Bestehenden möglich sein, das wirklich Sprengkraft in sich trägt?

Wie können wir sowohl der lethargischen Langweiligkeit des Immer-weiter-so als auch der Gewalt des Status quo die Irritation des Evangeliums entgegenhalten – eine Irritation, die der Menschheit zutraut, ein anderes Leben führen zu können?

Benedikt Kern
Referent beim Münsteraner Institut für Theologie und Politik  
Ehemaliger Don Bosco Volunteer