Rudolf Lunkenbein: Warum sein Leben bis heute inspiriert

Rudolf Lunkenbein gilt bis heute als Vorbild für eine Kirche an der Seite der Menschen. Für Don Gildásio Mendes dos Santos SDB zeigt sein Leben, was Heiligkeit im Alltag bedeutet: Nähe, Menschlichkeit und der Mut, mit den Menschen zu leben statt über sie zu bestimmen.

Er war zuerst menschlich – und gerade deshalb zutiefst heilig.

Don Gildásio Mendes dos Santos SDB
Ehemaliger Provinzial der Provinz Mato Grosso (Brasilien)

Ein Missionar, der den Menschen nah war

Für mich zeigt Rudolf Lunkenbein sehr deutlich, was Heiligkeit wirklich bedeutet. Er kam nach Meruri und lebte dort nicht einfach als Missionar von außen. Er ging zu den Menschen, lebte mit ihnen, arbeitete mit ihnen, betete mit ihnen – und wurde eins mit ihnen.

Er war nicht jemand, der dorthin kam, um eine Religion oder Theologie aufzuzwingen. Er lernte von den Menschen, schätzte die Werte der indigenen Völker und ließ sich auf ihre Kultur ein. Gerade deshalb ist er für uns ein Vorbild.

Wenn wir Menschen gefragt haben, die ihn kannten: „Was hat euch an Rodolfo am meisten beeindruckt?“, kam oft dieselbe Antwort: seine Menschlichkeit. Er war mit jedem befreundet, bescheiden, sympathisch, fröhlich und freundlich. Er zog die Menschen einfach an. Wo Rodolfo war, spürte man Nähe und Vertrauen.

Ich würde sagen: Er war zuerst menschlich – und gerade deshalb zutiefst heilig. Ganz in der Schule Don Boscos zeigt sich Heiligkeit in Menschlichkeit, Liebe und Barmherzigkeit im Namen Gottes. Je mehr ich Mensch bin, desto näher komme ich Gott. So war Rodolfo.

Er hat die Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils gelebt: eine Kirche, die an die Ränder geht, eine Kirche der Menschenrechte, eine Kirche, die Licht bringt und den Menschen dient. Er war ein Mann der Solidarität, der Freundschaft und der Liebe zu den Menschen.

Die große Besonderheit seines Lebens liegt darin, dass er Deutschland verlassen hat, nach Brasilien kam und verstand, dass Mission bedeutet, sich zu inkulturieren – in eine Kultur einzutreten und unter den Menschen einer von ihnen zu werden.

Darum ist seine Geschichte auch heute noch aktuell. Junge Menschen können an ihm sehen, dass Glaube nicht zuerst Theorie ist, sondern Haltung: da zu sein, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, an der Seite anderer zu bleiben.

Don Gildásio Mendes dos Santos SDB
Ehemaliger Provinzial der Provinz Mato Grosso (Brasilien)