Eine Reise nach Brasilien

Auf den Spuren von Rudolf Lunkenbein und der Frage, was von seinem Einsatz für die Bororo geblieben ist. Eine Reisereportage von Anna-Lena Haupt. 

Von Anna-Lena Haupt
Unsere Autorin arbeitet als Referentin bei Don Bosco Aschau am Inn.

Zwischen Mut und Hoffnung

Schüsse fallen vor einer Missionsstation im brasilianischen Hinterland. Wenig später sind zwei Männer tot: der deutsche Missionar Pater Rudolf Lunkenbein und der Indigene Simão Bororo. Es ist der 15. Juli 1976 – ein Tag, der das Dorf Meruri bis heute prägt. Fast fünf Jahrzehnte später kehrt eine Reisegruppe an diesen Ort zurück, um die Spuren dieser Geschichte zu suchen. Die Autorin Anna-Lena Haupt ist Teil dieser Recherche. In ihrer Reportage beschreibt sie ihre Eindrücke und Begegnungen – zwischen Erinnerung, Gegenwart und der Frage, was bleibt.

 

Der Weg zur Krankenstation führt zu Fuß durch Meruri. Roter Sand klebt an den Schuhen, Gras wächst zwischen den Spuren. Ein Pferd trottet an uns vorbei, bleibt stehen, senkt den Kopf und schaut uns an. Palmen ragen in den Himmel, es riecht nach nasser Erde. In dieser Jahreszeit kommt der Regen schnell, kurz und heftig. Ebenso schnell verstummt er wieder.

Meruri liegt abgeschieden im Bundesstaat Mato Grosso, mehrere Stunden Fahrt von der nächsten größeren Stadt entfernt, im Hinterland Brasiliens. Die Region gehört zum zentral-westlichen Teil des Landes. Wer hierher will, fährt stundenlang über einspurige, schmale Straßen durch dünn besiedeltes Gebiet und den Cerrado, eine weite, von Savannen geprägte Landschaft, vorbei an Lkw-Kolonnen und überschwemmten Wiesen in der Regenzeit. 

 

Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.
Eindrücke aus Meruri: Zwischen roter Erde, offenen Häusern und moderner Alltagswelt zeigt sich das Leben der Bororo heute voller Gegensätze – geprägt von Tradition, Gemeinschaft und den Herausforderungen der Gegenwart.

Anreise ins Hinterland

Hier leben die Bororo – ein indigenes Volk mit einer jahrhundertealten Kultur, mit einer eigenen Sprache, sozialen Struktur und engen Verbindung zu ihrem Land. Ihre Dörfer waren traditionell kreisförmig angelegt, mit einem zentralen Platz als sozialem und spirituellem Mittelpunkt. Diese Ordnung strukturierte das Zusammenleben, regelte Zugehörigkeit und Verantwortung – und verband die Menschen auch mit ihrer Vorstellung vom Leben nach dem Tod, dem „ewigen Dorf“. Heute stehen zwischen roter Erde und dichtem Grün einfache Häuser, manche aus Beton, wenige noch aus Holz. Türen stehen offen, Hühner und Reiher laufen über den Platz, Hunde liegen im Staub. 

Die Landschaft beeindruckt. Doch die Häuser erzählen eine andere Geschichte. Viele wirken brüchig, teilweise notdürftig repariert. Satellitenschüsseln ragen von den Dächern, aus offenen Fenstern flimmert Fernsehlicht. Kinder laufen mit Smartphones vorbei.

Die Eindrücke widersprechen sich – oder vielleicht nur den eigenen Erwartungen. Schnell ist von Ursprünglichkeit die Rede, wenn es um indigene Dörfer geht. Von Tradition und Gemeinschaft. Von Nähe zur Natur. Von einem anderen, „einfacheren“ Leben.

Zwischen Tradition und Gegenwart

Und dann stehen wir vor der Krankenstation. Sie fällt nicht sofort als solche auf. Die Farbe blättert von den Wänden, Moos zieht sich über den Putz, das Dach hängt leicht durch. Drinnen stehen Plastikbecher neben einem Wasserbehälter, ein Poster warnt vor Tuberkulose. Die Fliesen sind gesprungen. Metallgitter sichern die Fenster, Rost verteilt sich am Rahmen. Alle vierzehn Tage kommt ein Ärzteteam vorbei. Dazwischen wird medizinische Versorgung eher improvisiert, weil es an Material fehlt.

Als ich hier eintrete, spüre ich Unsicherheit. Ich zögere einen Moment, nicht aus Abscheu, sondern aus Gewohnheit. Ich denke an Standards, an das, was ich kenne. Und frage mich gleichzeitig: Wie selbstverständlich ist es eigentlich, dass es hier überhaupt eine Krankenstation gibt?

Viele Strukturen hier entstanden in den 1970er-Jahren – zur Zeit von Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo.

Fast fünfzig Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod sind wir nach Brasilien gereist, um zu verstehen, was von ihrem Einsatz geblieben ist. Dass ihr Tod bis heute nachwirkt, zeigt sich auch auf kirchlicher Ebene: Für beide läuft ein Seligsprechungsverfahren. João Bosco, Salesianer und Lunkenbein-Experte, der unsere Recherchereise begleitet, war an der Vorbereitung der Unterlagen beteiligt. In Campo Grande, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul, wurden Zeugnisse gesammelt und Dokumente geprüft. Inzwischen liegt der Fall im Vatikan in Rom. Dort wird entschieden, ob sie als Märtyrer anerkannt werden.

 

Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.
Zwischen Tradition und Gegenwart zeigt sich der Alltag in Meruri: eine einfache Krankenstation, improvisierte medizinische Versorgung und Spuren einer Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren mit Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo entstand.

Auf den Spuren von Lunkenbein und Simão

Rudolf Lunkenbein wurde 1939 im oberfränkischen Döringstadt geboren. Schon als Jugendlicher wollte er Missionar werden. 1958 verließ er mit 19 Jahren seine Heimat und reiste per Schiff nach Brasilien. Von der Küste aus führte ihn sein Weg weiter nach Campo Grande, ins Landesinnere, wo er Portugiesisch lernte und später Philosophie studierte.

Zwischen 1963 und 1965 absolvierte er ein pädagogisches Praktikum in der Mission in Meruri – im Gebiet der Bororo. Nach seinem Theologiestudium und der Priesterweihe 1969 kehrte er noch im selben Jahr zurück. Ab 1973 leitete er die salesianische Mission. Die Mission war ein zentraler Ort – für Bildung, medizinische Versorgung und Begegnung.

Hier arbeitete er eng mit Simão Cristino Koge Kudugodu zusammen. Simão, 1937 in Meruri geboren, war Bororo, Maurer und Friseur. Zeitzeugen beschreiben ihn als ruhig, loyal und zurückhaltend – für Lunkenbein wurde er zu einem engen Mitarbeiter und Freund.

Einsatz für die Rechte der Bororo

Als Leiter der Mission war Lunkenbein nicht nur für Seelsorge verantwortlich. Er war im Dorf präsent, arbeitete mit, hörte zu. Er kümmerte sich um die Gesundheitsversorgung und Schulbildung und setzte sich zunehmend für die Rechte der Bororo und dafür ein, ihre Kultur zu erhalten. Denn die Lage spitzte sich zu, die Landfrage gewann an Bedeutung. Immer mehr nicht-indigene Siedler hatten sich auf dem traditionellen Land der Bororo niedergelassen. Jagd- und Anbauflächen wurden knapp, Lebensgrundlagen gingen verloren. Ein Zeitzeuge erinnert sich, dass im Dorf zeitweise nur noch sechs oder sieben Kinder lebten. Man hatte beschlossen, keine Kinder mehr zu bekommen. Lunkenbein widersprach. Für ihn war klar: Ohne Zukunftsperspektive würde die Gemeinschaft verschwinden. Er drängte auf eine offizielle Landvermessung, um Grenzen verbindlich festzulegen. Gleichzeitig suchte er das Gespräch mit den Siedlern und notierte Namen von Personen, deren Situation geklärt werden sollte – in der Hoffnung, eine Eskalation zu verhindern.

Er wusste, dass das gefährlich war. Am 18. Mai 1976 schrieb er an seine Familie: „In ein bis zwei Monaten wird das Indianergebiet vermessen (…) In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht.“

Am 15. Juli 1976 eskalierte die Situation. Etwa 60 Siedler fuhren nach Meruri, viele davon bewaffnet. Vor der Missionsstation kam es zur Konfrontation. Lunkenbein stellte sich ihnen entgegen und versuchte zu vermitteln. Simão stand an seiner Seite. Dann fielen Schüsse. Lunkenbein wurde tödlich getroffen. Simão starb wenig später an seinen Verletzungen.

Ein Zeitzeuge der Bororo erinnert sich an den 15. Juli 1976: den Angriff auf Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo, die Angst danach und das Gefühl, schutzlos zurückzubleiben – eine Erinnerung, die bis heute nachwirkt.

Der Tag der Eskalation

Ein Bororo, den wir gut fünfzig Jahre später vor Ort treffen, war an diesem Tag, jenem 15. Juli 1976, dabei. Er hat viel Zeit mit Simão und Lunkenbein verbracht, wurde im Internat großgezogen. Als er erzählt, wird seine Stimme leiser.

Am Tag des Überfalls habe er mit Lunkenbein auf dem Feld gearbeitet, berichtet er. Als die bewaffneten Männer kamen, rief man nach Lunkenbein – „Pater Rodolfo“, wie er ihn nennt. Er selbst wurde am Bein angeschossen. Als die Angreifer abzogen, hätten sie gedroht zurückzukommen. Er nennt einen Namen: João Mineiro. Er war der ‚Anführer‘ und einer der Männer, die schossen.

In den Tagen danach sei die Angst groß gewesen. Viele Bororo hätten das Dorf verlassen und seien in andere Dörfer gezogen. „Es war, als wäre unser Schutz weg“, sagt er. Er erinnert sich auch an Simão. Schüchtern, introvertiert, aber treu, sei dieser gewesen. Auch an diesem Tag habe Simão versucht zu helfen. „Er war immer an seiner Seite.“ Immer bei Lunkenbein.

Die Täter wurden später freigesprochen. Im Gerichtssaal, so wird uns erzählt, hätten einflussreiche Personen gesessen. Die Angeklagten argumentierten, sie hätten „für den Staat“ gehandelt. Für viele Bororo war das Urteil ein weiteres Zeichen dafür, wie wenig ihre Rechte damals galten.

Erinnerungen an die Zeit in Meruri

In Meruri treffen wir Pater Klemens, ein Salesianer, der damals selbst dort lebte. Er erinnert sich an Einschusslöcher in den Mangobäumen, an Blut im Eingangsbereich der Küche, an die Unruhe im Dorf. Er beschreibt die Tage rund um den 15. Juli als angespannt, fast greifbar dicht. Die Unruhe habe sich angekündigt, sagt er. Man habe gespürt, dass etwas bevorstand. Es habe Warnungen gegeben. Gespräche. Hinweise darauf, dass die Situation eskalieren könnte. Lunkenbein wusste das. Und doch blieb er – auch an diesem Tag. 

Klemens macht eine kurze Pause, als würde er selbst noch einmal zurückgehen an diesen Ort, in diese Zeit. Seine Stimme wird wärmer, lebendiger. Meruri sei abgelegen gewesen, kaum Infrastruktur, keine Straßen, keine Elektrizität. Und doch habe Lunkenbein eine Atmosphäre geschaffen, die von Herzlichkeit geprägt war. Er habe jeden gekannt, sei präsent gewesen, habe mitgearbeitet, organisiert, zugehört. Er habe partnerschaftlich unterstützt, nicht von oben herab. Nicht als jemand, der vorgibt, was richtig ist, sondern als jemand, der fragt, der verstehen will. Die Türen der Mission seien offen gewesen. Für viele sei das eine hoffnungsvolle Zeit gewesen, eine Zeit, die von Zuversicht geprägt gewesen sei, von dem Gefühl, dass sich etwas entwickeln kann, dass Zukunft möglich ist. Klemens lächelt, als er davon spricht. Dann wird er still. „Und dann“, sagte er, „kippte alles“.

Menschen von Meruri Was sie über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bororo erzählen

Leonida – Die Bewahrerin Sie sucht Wege für die Zukunft ihres Dorfes

Zwischen Erinnerung und Gegenwart sucht Leonida nach Wegen für die Zukunft ihres Dorfes. Wenn sie im Fernsehen brasilianische Telenovelas einschaltet, sieht sie eine Welt, die mit ihrem Alltag wenig zu tun hat. „Dort ist jeder reich“, sagt sie. „Und wir haben nichts. Außer Nächstenliebe.“ Viele Familien seien heute auf staatliche Lebensmittelpakete angewiesen. Für Leonida ist das ein Zeichen, dass das Dorf wieder lernen müsse, sich selbst zu versorgen und mehr anzubauen. Als Kind erlebte sie noch, wie selbstverständlich Landwirtschaft war. Damals lebte Pater Rudolf Lunkenbein in Meruri, Leonida war eine seiner Schülerinnen. Heute knüpft sie daran an: In ihrem Garten wachsen Bananen, Gemüse, außerdem hält sie Hühner. Wenn sie an die Zukunft denkt, spricht sie von Selbstversorgung und Bildung. Und davon, was Lunkenbein und Simão heute wohl sagen würden. „Seid stark. Habt Mut und macht weiter.“

Cleber – der Visionär Er sucht nach neuen Wegen für wirtschaftliche Unabhängigkeit

Cleber ist Bororo, Biologe und Fischzüchter. Mit eigenen Ideen versucht er, neue Perspektiven für wirtschaftliche Unabhängigkeit zu schaffen. Er gründete ein eigenes Dorf, in dem bisher vor allem ein Haus, mehrere Fischteiche und viel ungenutztes Land stehen. Seit 2019 züchtet er Fische als Nahrungs- und mögliche Einkommensquelle. Gleichzeitig denkt er über Agroforstwirtschaft, Imkerei und Hühnerzucht nach. Sein Dorf soll klare Regeln haben: Wer dort lebt, muss arbeiten, Alkohol ist verboten. Cleber sieht Perspektivlosigkeit und Alkohol als große Probleme vieler indigener Gemeinden und möchte zeigen, dass andere Wege möglich sind. Die Geschichte von Pater Rudolf Lunkenbein kennt er aus seiner Familie, sein Vater war mit dem Missionar befreundet. Heute versucht Cleber auf eigene Weise Verantwortung zu übernehmen und etwas Neues aufzubauen.

Fabricio – der Bewahrer der Sprache Er kämpft dafür, die Sprache zu bewahren

Dr. Fabricio Ferraz Gerardi beschäftigt sich seit Jahren mit dem Erhalt bedrohter Sprachen. Für ihn verschwindet mit einer Sprache weit mehr als nur ein Wortschatz: Auch Geschichten, Wissen über Pflanzen und Medizin sowie Erinnerungen einer Gemeinschaft gehen verloren. Sein Weg führte ihn durch mehrere Länder bis nach Rom, wo er bei den Salesianern studierte. Daraus entstand später die Zusammenarbeit mit der Mission in Meruri. Heute entwickelt Fabricio eine digitale Plattform zur Dokumentation der Bororo-Sprache. Herzstück ist ein Wörterbuch mit fast 5.000 Wörtern, ergänzt durch Texte und digitale Werkzeuge für den Unterricht. Auch Wissen über Pflanzen, Mythen und Traditionen wird dort gesammelt. Wie schon Pater Rudolf Lunkenbein versucht Fabricio, Sprache und Kultur der Bororo stärker im Alltag und besonders in der Schule zu verankern.

Andrya – die Suchende Sie geht sie ihren eigenen Weg

Andrya ist Bororo, arbeitet an der Schule in Meruri und schreibt derzeit ihre Masterarbeit über Sexualität und Transsein in der Bororo-Kultur. Geboren wurde sie als Mann, heute lebt sie als Frau. Lange beschäftigte sie sich intensiv mit Glaubensfragen und trat sogar in das Noviziat der Salesianer ein. Später erkannte sie jedoch, dass dieser Weg nicht zu ihrer eigenen Identität passte. Über Pater Rudolf Lunkenbein weiß sie vor allem aus Erzählungen ihrer Tante Leonida. Sie beschreibt ihn als fröhlichen Menschen, der Hoffnung gegeben habe. Heute beschäftigt Andrya vor allem die Frage, wie junge Bororo ihre Kultur wieder stärker verstehen und leben können. Viele interessieren sich erneut für ihre Wurzeln, Spiritualität und Traditionen. Mit ihrer eigenen Geschichte möchte Andrya besonders jungen Menschen Mut machen, ihren Platz in der Gemeinschaft zu finden.

Dokumente einer bedrohten Zukunft

Auf unserer Spurensuche fahren wir auch nach Campo Grande ins heutige Provinzialat der Salesianer Don Boscos. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt. Die Stadt wirkt anders als Meruri, laut, schnell und dicht. Verkehrslärm, hupende Autos, mehrspurige Straßen. Und doch stehen zwischen Beton und Asphalt immer wieder große, alte Bäume.

Im Provinzarchiv zeigt uns João Bosco ein Dokument, das er für eines der wichtigsten Zeugnisse über Lunkenbein hält: eine handgeschriebene Liste mit den Namen der Siedler, die das Gebiet der Bororo im Zuge der offiziellen Landvermessung verlassen und gegen Entschädigung umgesiedelt werden sollten. Sie machte greifbar, wer gehen musste und dass die Landfrage nicht länger aufgeschoben werden würde. Lunkenbein hatte sie selbst geschrieben. Seine Handschrift sei sonst schön und klar gewesen. Auf dieser Liste werde sie zunehmend zittrig. João Bosco sagt, Lunkenbein habe es allen recht machen wollen. „Er wollte eine Lösung für alle“, sagt er. „Vielleicht hat er damit am Ende seinen eigenen Tod unterschrieben.

Ich bin gekommen, zu dienen und mein Leben hinzugeben. 

So lautete sein Primizspruch.

Unsere Reise führt uns weiter nach Primavera do Leste. Die Stadt liegt nur wenige Stunden von Meruri entfernt und wirkt doch wie eine andere Welt. Breite Straßen, große Felder, eine Region, die von Landwirtschaft und Wachstum geprägt ist. Hier treffen wir Osram. Er war damals selbst als Praktikant in Meruri, heute lebt und arbeitet er als Salesianer in dieser Region. Als er von Lunkenbein spricht, nennt er ihn „radikal“.  Radikal, aber im guten Sinn. Radikal im Einsatz für Gerechtigkeit. Radikal darin, sich auf die Seite der Bororo zu stellen. Er nennt ihn einen Friedensstifter und fügt hinzu: „So war auch Jesus.“

Was von Lunkenbeins Wirken bleibt

Der Mord sollte einschüchtern. Stattdessen rückte der Konflikt landesweit in den Fokus. Die mediale Aufmerksamkeit war groß, der Druck auf die Behörden wuchs. Die Landvermessung wurde beschleunigt. Heute ist das Gebiet der Bororo offiziell anerkannt. Es gehört ihnen und es kann ihnen rechtlich nicht mehr einfach genommen werden. Der Preis dafür war hoch.

Doch Land allein erzählt nicht die ganze Geschichte. In den 1960er-Jahren veränderte das Zweite Vatikanische Konzil das Verständnis von Mission grundlegend. Nicht mehr eine Anpassung an europäische Kultur stand im Mittelpunkt, sondern der Respekt vor lokalen Traditionen und Sprachen. Rudolf Lunkenbein war Teil dieses Wandels. Die Veränderung wurde auch in Meruri spürbar.

Viele Bororo wuchsen im Internat auf. Zeitweise durfte ausschließlich Portugiesisch gesprochen werden – eine staatliche Vorgabe, die auch in der Missionsschule umgesetzt wurde. Wer Bororo sprach, wurde bestraft. Zugleich bedeutete die Mission für viele Schutz und oft auch Nahrung, wenn es außerhalb nicht genug zu essen gab.

Lunkenbein war Teil dieser Struktur und setzte zugleich neue Akzente. Er integrierte Bororo-Gesänge in den Gottesdienst und stärkte die eigene Sprache und Kultur. Mit der Zeit ging es nicht mehr nur um religiöse Unterweisung. Landfragen, Bildung und Selbstversorgung rückten in den Mittelpunkt. Entscheidungen wurden zunehmend gemeinsam getroffen.

Nach Lunkenbeins Tod setzte sich dieser Prozess fort. Osram formuliert es so: „Früher hatte der Direktor alles in der Hand. Heute liegt die Verantwortung bei den Bororo." Vieles, was in den 1970er-Jahren angestoßen wurde, wirkt bis heute nach.

 

Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.
Besuch im Provinzarchiv im heutigen Provinzialat der Salesianer Don Boscos in Campo Grande. Dort werden die zentralen Unterlagen zu Rudolf Lunkenbein aufbewahrt.

Willkommensrituale und neue Perspektiven

Es ist kurz vor sechs am Morgen in Meruri. Das Wasser prasselt auf das Dach. Minuten später ist es wieder still. Um halb acht treffen wir uns zur Willkommenszeremonie. Eine Tradition, um Gäste zu begrüßen. Vor dem Denkmal, dem Ort, an dem Lunkenbein ermordet wurde, stehen Stühle für uns bereit. Cleber, ein Bororo, ist rot bemalt, trägt Federschmuck und führt das Ritual durch. Er singt, begleitet von selbstgemachten Rasseln. Währenddessen werden auch wir im Gesicht bemalt, jeder bekommt andere Linien, Zeichen der Clans der Bororo.

Nach der Zeremonie gehen wir zur Schule. Schüler, Lehrer und der Kazike, das Oberhaupt der Gemeinschaft, begrüßen uns. Im Pausenbereich ist ein nachgebautes Bororo-Dorf zu sehen, eine traditionelle Dorfstruktur: kleine Häuser im Kreis, ein zentraler Platz. Diese Ordnung war einst Grundlage des Zusammenlebens. Als Lunkenbein nach Meruri kam, war diese Struktur bereits aufgebrochen. Häuser standen nicht mehr in der traditionellen Anordnung. Heute ist sie nur noch in Teilen sichtbar.

Später fahren wir weiter. Über Holzbrücken, durch dichte Vegetation, entlang von Flüssen. Die Fahrt ist abenteuerlich, manchmal holprig. Fabricio sitzt am Steuer. Er kennt jede Kurve. „Wenn alle dasselbe sprechen, verlieren wir Vielfalt“, sagt er. Er arbeitet an einer digitalen Plattform, die Bororo-Wörter, Geschichten und Wissen dokumentiert und für Schulen zugänglich macht.

 

Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.
Kennenlernen der Kultur der Bororo: eine traditionelle Willkommenszeremonie mit Gesang, Bemalung und Federschmuck am Denkmal von Lunkenbein, Begegnungen in der Schule und Einblicke in die einstige Dorfstruktur. Später führt die Fahrt über Holzbrücken und durch dichte Vegetation weiter durch das Gebiet der Bororo.

Zwischen Selbstversorgung und Zukunftssorgen

Am Ende der Fahrt erreichen wir Clebers Ort. Er nennt es ein Dorf. Tatsächlich steht dort bislang vor allem ein Haus. Frühmorgens war er noch in Meruri, um die Zeremonie mit uns zu gestalten. Jetzt zeigt er uns sein Projekt. Cleber züchtet Fische. Fisch ist Grundnahrungsmittel der Bororo. Doch viele Flüsse sind leergefischt, bevor sie das Gebiet erreichen. Seine Lösung: eigene Becken, eigene Produktion, eigenes Einkommen. 2019 hat er begonnen – zunächst ohne staatliche Unterstützung. Erst als sichtbar wurde, dass es funktioniert, kam Hilfe in Form von Technik hinzu. Ein Teil des Erlöses fließt zurück in neue Fische, ein anderer Teil sichert seinen Lebensunterhalt. „Ich will nicht, dass die Mission mich trägt“, sagt er. „Ich will Partner.“ Er spricht von Genossenschaften, von Agroforstwirtschaft, von Hühnern, von Imkerei. Gleichzeitig spricht er über Alkohol, über Perspektivlosigkeit, über organisierte Kriminalität nahe der Städte. Nicht alle im Dorf teilen seine Geduld. Viele wollen schnelle Ergebnisse. Cleber denkt langfristig. Wenn niemand mitmacht, sagt er, könne er sich zumindest selbst ernähren.

Zurück im Dorf begegnen wir Leonida bei einem Rundgang. Sie war Schülerin von Lunkenbein und erinnert sich an Spiele, an Freude, an einen Pater, der viel mit Kindern sprach, lernte und lachte. Auch Simão sei immer dabei gewesen. „Wir brauchen Bildung“, sagt sie. „Aber Kinder können nicht lernen, wenn sie zu wenig essen.“

Zur Zeit Lunkenbeins waren Landwirtschaftsprojekte selbstverständlich. Dieses Wissen trägt sie noch in sich. Stolz zeigt sie ihre Bananenpflanzen, ihr selbst angebautes Gemüse und ihre Hühner. „Wir müssen wieder selbst anbauen“, sagt sie. Viele wollten das, doch nicht alle hielten durch. Für Außenstehende wirken ein paar Beete und Hühner vielleicht unscheinbar. Hier erhalten viele Familien staatliche Lebensmittelpakete, weil sie sich nicht selbst versorgen können. Leonida will, dass wieder entsteht, was es hier schon einmal gab: Selbstversorgung.

Cleber sitzt in einer Hängematte vor dem Haus seines kleinen Dorfprojekts. Mit Fischzucht, Landwirtschaft und eigenen Ideen sucht er nach Wegen zu mehr Selbstversorgung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit für die Bororo-Gemeinschaft.

Was bleibt

Fast fünfzig Jahre nach dem 15. Juli 1976 ist vieles anders – und manches noch immer offen. Unsere Gesprächspartner erzählen, dass heute wieder deutlich mehr Kinder im Dorf leben als in den 1970er-Jahren. Damals waren es nur sechs oder sieben. Heute spielen wieder viele auf dem Platz.

Das Land der Bororo ist anerkannt. Diese Sicherheit ist nicht selbstverständlich. Sie ist das Ergebnis eines Konflikts, der zwei Menschen das Leben kostete: Rudolf Lunkenbein und Simão.

Doch was geblieben ist, lässt sich nicht nur in Hektar messen. Es zeigt sich in Menschen wie Fabricio, Cleber und Leonida. Fabricio arbeitet daran, dass die Bororo-Sprache nicht verschwindet. Cleber baut mit seiner Fischzucht und seinem Dorf etwas Eigenes auf, das er mit anderen teilen möchte. Leonida erzählt von leeren Bäuchen und davon, dass Kinder so nicht lernen können. Sie erinnert sich an eine Zeit, in der Selbstversorgung selbstverständlich war.

Rudolf Lunkenbein wollte dienen. Viele sagen, er sei geblieben, obwohl er wusste, wie gefährlich die Lage war. Aber besonders wollte er, dass die Bororo als Bororo leben können. Was von seinem Einsatz geblieben ist? Sprache, Kultur, Land. Nicht als Monument oder einfaches, abgeschlossenes Erbe. Sondern in Menschen, die weitermachen – mit eigenen Ideen, auf ihre Weise. Mit Mut. Und mit Hoffnung.

Zwischen Bildern und Wirklichkeit

Unsere Autorin Anna-Lena Haupt, hier nach dem Aufnahmeritual in Meruri, reiste nach Brasilien, um den Spuren Rudolf Lunkenbeins und den Menschen der Bororo-Gemeinschaft zu begegnen. Was zunächst wie ein außergewöhnliches Abenteuer wirkte, wurde schnell zu einer Reise voller Widersprüche: zwischen beeindruckender Natur und sozialer Realität, zwischen schönen Bildern und dem, was dahinter verborgen bleibt. Ein persönlicher Bericht über Begegnungen, Zweifel und die Frage, wie viel ein Foto wirklich erzählen kann.

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