Warum verlassen Menschen ihre Heimat?

Veröffentlicht am: 11. Juni 2024

Beromünster – In der Schweiz ist die Debatte um Migration und Flucht aus Nordafrika medial hochpräsent. Die Situation aus erster Hand kennt die Don Bosco Schwester Maria. Anlässlich ihres Besuchs in der Schweiz erläuterte sie in Sursee und Beromünster die Hintergründe, Ursachen und Auswirkungen von Flucht. Dieser Anlass wurde gemeinsam organisiert von der Don Bosco Jugendhilfe Weltweit, dem Pastoralraum Michelsamt und der Reformierten Kirche Sursee.

Schwester Maria ist seit 46 Jahren in Zentralafrika und im Maghreb in der Entwicklungshilfe tätig. Die Ordensfrau kennt die Hintergründe von Migration und Flucht aus (Nord)afrika. Sie sagt: „Nur meine Haut ist noch weiß, in meinem Inneren bin ich Afrikanerin".

Flucht aus einer anderen Welt in eine andere Welt

Sr. Maria stellte ihrem Vortrag ein Zitat voran: Er stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und sagte zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer des Sees hinüberfahren (Lk 8,22). Die Geflüchteten kommen vom anderen Ufer, aus einer anderen Welt. Die beiden Welten kennen sich gegenseitig sehr wenig bis gar nicht.

„Warum kommen nur junge Männer?" Diese Frage wird oft nicht ausgesprochen, aber gedacht. Ist es wirklich so, dass vor allem junge Männer an die Türen unseres Landes klopfen – oder täuschen wir uns? Was drängt Männer, Frauen und Kinder dazu, ihre Gemeinschaft und ihr Zuhause verlassen? Was bedeutet „flüchten"? Flucht und Migration werden auch die kommenden Generationen beschäftigen. Sie beeinflussen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und unsere ethisch-religiöse Haltung.

Sehnsucht nach Leben in Würde

Bei uns ist es nur gefühlt, dass vor allem junge Männer an die Türe unseres Landes klopfen. In Tunesien stranden Frauen, Männer, unbegleitete Minderjährige, Familien. Sie alle verbindet eins: die Sehnsucht nach einem Leben in Würde. In sehr eindrücklicher Weise wurden Hintergründe, Ursachen und Auswirkungen von Flucht und Migration aufgezeigt.

Es wurde klar, dass es nicht eine Erscheinung der jüngsten Vergangenheit ist – vielmehr, dass die Wurzeln und Ursachen viel früher zu suchen sind. Die Menschen habe keine Hoffnung mehr. Deshalb verlassen sie ihre Familie, ihr Zuhause, ihre Gemeinschaft, ihr Land. Davon, dass sie auf der anderen Seite des Mittelmeers nicht willkommen sind spricht niemand oder es wird ausgeblendet. Ihre Haltung: „Wir gehen, und bedienen uns" kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist in der Vergangenheit begründet. Da kamen die Kolonialherren und bedienten sich an den Reichtümern der Länder, nahmen und verschwanden wieder. Die Menschen wurden versklavt und als minderwertig klassifiziert. Nun holt uns diese Vergangenheit ein.

Hoffnung auf eine gute Zukunft geben

Die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern nehmen diese Gegebenheiten nicht unwidersprochen hin. Sie setzen sich an sozialen und humanitären Brennpunkten dafür ein, dass Menschen eine Chancen, Perspektiven und vor allem Hoffnung auf eine gute Zukunft bekommen – denn wenn die Hoffnung verloren ist, ist alles verloren.

So zum Beispiel mit ihren Berufsbildungszentren in Afrika: In 113 Berufsbildungszentren auf dem afrikanischen Kontinent werden über 30 Kurse in 34 Ländern, mit über 45.000 Lernenden jährlich angeboten. 76 Arbeitsvermittlungsbüros begleiten aktuell über 4000 Jugendliche bei Praktika und beim Eintritt in die Arbeitswelt. Diese Arbeit eröffnet Hoffnung und Perspektiven sowie Entwicklungsmöglichkeiten auf persönlicher, familiärer und gesellschaftlicher Ebene.

Solarprogramm bietet Perspektive
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Besonders hervorheben möchten wir das Don Bosco Solar Programm Westafrika: Dieses wurde in Ghana gestartet und ist ein Referenz in Elektro-undSolartechnik für Afrika. Das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien in Ashaiman, Ghana, wird durch Innovation in Forschung, Infrastruktur und Zusammenarbeit gestärkt, um mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten und eine breitere Wirkung durch qualitativ hochwertige Lerninhalte und Ausbildung in erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Bisher erreichte Resultate:

  • Aufbau von Solarlehrgängen in über 12 Ländern Afrikas
  • Seit 2019: Ausbildung von über 1660 Lernenden in Kurzkursen, davon über 90 Lernende im Advanced Level, aus 11 verschiedenen Ländern
  • Weiterbildung von über 40 Lehrkräften von Don Bosco Berufsschulen
  • Bis 2022: über 316 kWp Photovoltaikanlagen installiert, von denen über 2600 Personen profitieren

Das Kurzvideo erläutert die Arbeitsweise und das Erreichte: https://youtu.be/vmXCfZPRW3k

Mit ihrer Arbeit und den Programmen wollen die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern Perspektiven und damit Hoffnung aufzeigen. Sie wollen aufzeigen, dass es Zuhause besser ist, als auf der anderen Seite des Meers.

Text: Katharina Kocherhans; Fotos: Fr. Jiji