Salesianer Don Boscos weiten Missbrauchsaufarbeitung aus

Veröffentlicht am: 18. Februar 2026
Das Präventionskonzept der Salesianer Don Boscos, im Hintegrund liegt ein Buch mit einem Bild Don Boscos.

Betroffene und Zeitzeugen können ihre Erfahrungen über eine neue Onlineplattform mitteilen. Sie ist Teil einer unabhängigen Studie, in der Forschende aus Jena und München sexuellen Missbrauch und andere Formen von Gewalt an Minderjährigen in den Einrichtungen des Ordens untersuchen.

München/Jena – Die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und anderen Formen von Gewalt an Minderjährigen in Auftrag gegeben. Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht darin sexuellen Missbrauch und andere Formen von Gewalt an Minderjährigen in den Einrichtungen des Ordens für den Zeitraum von 1945 bis 2023. 

Untersuchung besteht aus zwei Teilprojekten

Der Orden folgt damit der Regelung für die unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, die die deutschen Ordensgemeinschaften und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung 2021 gemeinsam festgelegt haben. „Mit dieser Studie setzen wir die intern begonnene Aufarbeitung der Fälle fort, in denen jungen Menschen in unserem Verantwortungsbereich durch Ordensangehörige, Mitarbeitende oder ehrenamtlich Helfende Gewalt angetan wurde. Die Ergebnisse wollen wir insbesondere nutzen, um unsere Schutz- und Präventionsstrukturen weiter zu verbessern“, betont Provinzial Pater Reinhard Gesing SDB.

Die jetzt gestartete Untersuchung besteht aus zwei eng kooperierenden Teilprojekten: einer kirchenhistorischen Analyse und einer psychosozialen Studie. Sie ist auf zwei Jahre angelegt und wird von einem interdisziplinären Beirat begleitet, dem auch Betroffene angehören werden.

Zentraler Ausgangspunkt der Erhebungen sind die dem Orden bereits vorliegenden Meldungen von Betroffenen, darunter auch Personen, die Verfahren zur Anerkennung ihres Leids in Anspruch genommen haben.

„Für eine systematische Analyse werten wir in Ergänzung dazu historische Dokumente aus. Hierfür erhalten wir uneingeschränkten Zugang zu den Archiven des Ordens“, so der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Klaus Unterburger, der am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der LMU München den historischen Untersuchungsteil betreut.

Betroffene und Zeitzeugen können Erfahrungen über Onlineplattform mitteilen

Auf einer Onlineplattform des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie des Jenaer Uniklinikums erhalten Betroffene, Zeitzeugen und weitere Beteiligte jetzt zudem die Möglichkeit, ihre Erfahrungen – auf ihren Wunsch auch anonym – dem Studienteam mitzuteilen. „Wir führen Interviews mit Betroffenen, Mitarbeitenden und Zeitzeugen“, sagt der Leiter der psychosozialen Studie Prof. Dr. Bernhard Strauß. „Ihre Perspektiven werden in allen Phasen des Forschungsprozesses eine zentrale Rolle spielen. Zudem ist eine Befragung der Mitarbeitenden zu den bestehenden Präventionskonzepten geplant.“

Neben der historischen Analyse und Aufarbeitung wird die Studie auch bereits bestehende Präventionsmaßnahmen des Ordens evaluieren und Hinweise zu deren Weiterentwicklung geben.

Die Studie soll damit dazu beitragen, strukturelle Defizite aufzuzeigen und Empfehlungen zur Verbesserung zukünftiger Schutz- und Präventionskonzepte zu formulieren.

RefÖA/Pressemitteilung vom 18.02.2026

 

 

Weitere Informationen

Onlineplattform: www.uniklinikum-jena.de/DonBosco.html
Aufarbeitung bei den Salesianern Don Boscos: www.donbosco.de/aufarbeitung